Veröffentlicht am März 11, 2024

Die grösste Gefahr für Ihr Ölgemälde ist nicht der vergilbte Firnis selbst, sondern unsachgemässe Reinigungsversuche und falsche Lagerung, die zu irreversiblen Substanzverlusten führen.

  • Hausmittel wie Kartoffeln oder Brot bringen biologische Substanzen in die Malschicht ein und verursachen Langzeitschäden.
  • Schwankungen der Luftfeuchtigkeit von mehr als ±5 % pro Tag erzeugen mechanischen Stress und führen zu Craquelé (Spannungsrissen).
  • Falsche Verpackungsmaterialien wie Luftpolsterfolie können durch Weichmacher chemisch mit der Farboberfläche reagieren.

Empfehlung: Betrachten Sie sich als Bewahrer, nicht als Restaurator. Ihre Aufgabe ist die diagnostische Beobachtung und die Schaffung einer stabilen Umgebung. Jede Form der Reinigung oder Reparatur ist ein Fall für einen diplomierten Fachrestaurator.

Ein geerbtes Ölgemälde an der Wand ist mehr als nur Dekoration; es ist ein Stück Familiengeschichte, eine emotionale Verbindung zur Vergangenheit. Doch mit den Jahren scheint ein gelblicher oder bräunlicher Schleier die einst leuchtenden Farben zu trüben. Der erste Impuls vieler Besitzer ist verständlicherweise der Wunsch, das Bild zu „säubern“, um seine ursprüngliche Schönheit wiederherzustellen. Im Internet und in alten Haushaltsratgebern kursieren dafür zahlreiche Anleitungen, die von der Abreibung mit einer Kartoffelscheibe bis zum Einsatz von Brot oder Zwiebeln reichen. Diese gut gemeinten Ratschläge sind jedoch der schnellste Weg, ein Kunstwerk unwiderruflich zu beschädigen.

Die zentrale Fehleinschätzung liegt in der Annahme, ein vergilbter Firnis sei lediglich oberflächlicher Schmutz. Doch was, wenn die Wahrheit komplexer ist? Was, wenn dieser Firnis nicht nur ein ästhetisches Problem darstellt, sondern ein aktiver Risikofaktor für die darunterliegende, empfindliche Malschicht ist? Die eigentliche Kunst der Konservierung liegt nicht in der aggressiven Reinigung, sondern im Verständnis der chemischen und physikalischen Prozesse, die im Verborgenen wirken. Es geht darum, die subtilen Warnsignale zu deuten, die ein Gemälde aussendet – von feinsten Rissen bis zu winzigen Farbverlusten.

Dieser Leitfaden verfolgt daher einen anderen Ansatz. Er wird Sie nicht anleiten, Ihr Gemälde selbst zu reinigen. Stattdessen wird er Sie in die Lage versetzen, eine fundierte diagnostische Beobachtung durchzuführen. Sie lernen, die wahren Gefahren zu erkennen, die von unsachgemässen Methoden, falschen Umgebungsbedingungen und ungeeigneten Materialien ausgehen. Ziel ist es, Ihnen das Wissen an die Hand zu geben, um als verantwortungsbewusster Bewahrer zu handeln und zu wissen, wann der Anruf bei einem diplomierten Restaurator unumgänglich ist, um einen drohenden Substanzverlust zu verhindern.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Aspekte der Gemäldekonservierung für den Hausgebrauch. Vom Erkennen der Gefahren durch Hausmittel bis zum richtigen Umgang mit toxischen Pigmenten erhalten Sie einen umfassenden Überblick, um Ihre Kunstwerke sicher für die nächste Generation zu bewahren.

Warum Hausmittel wie Kartoffeln oder Zwiebeln Ihr Ölgemälde unwiderruflich zerstören

Die Versuchung, ein vergilbtes oder verschmutztes Ölgemälde mit einfachen Mitteln aus der Küche wieder zum Strahlen zu bringen, ist gross. Methoden wie das Abreiben mit einer halbierten Kartoffel, Zwiebel oder Brotkrume werden oft als harmlose „Geheimtipps“ weitergegeben. Aus restauratorischer Sicht sind diese Praktiken jedoch katastrophal. Das Grundproblem ist die unkontrollierte Einbringung organischer Substanzen in die poröse Struktur der Malschicht und des Firnisses. Diese Hausmittel entfernen nicht nur oberflächlichen Schmutz, sondern hinterlassen auch Rückstände wie Stärke, Säuren und Zucker.

Diese biologischen Ablagerungen werden zu einer Nährquelle für Mikroorganismen wie Schimmelpilze und Bakterien sowie für Insekten. Langfristig führt dies zu einem Abbau des originalen Bildgefüges. Die Restauratorin Th. J. Meier warnt eindringlich vor dieser Vorgehensweise, wie sie in einem Kommentar auf einer Fachseite erklärt:

Als Gemälderestauratorin kann ich nur dringend davon abraten Gemälde mit Brot oder Kartoffeln zu reinigen! Das problematische an dieser Vorgehensweise ist, dass man biologische Substanzen in die Oberfläche einarbeitet, wie Stärke.

– Th. J. Meier, Restauratorin-Kommentar auf oelbilder-oelmalerei.de

Selbst vermeintlich professionelle, aber veraltete Reinigungsmittel bergen immense Risiken. Ein dramatisches Beispiel ist der Fall eines Anwenders, der mit dem Reinigungsmittel Anacrosina zwei etwa 100 Jahre alte Ölgemälde behandelte. Trotz Verdünnung und vorsichtiger Anwendung löste sich nicht nur der Firnis, sondern auch die Ölfarbe bis auf die Leinwand ab – ein totaler Substanzverlust. Ähnlich schädlich sind andere Substanzen wie Babyöl, Essig oder Speiseöle, die die Malschicht chemisch verändern, sie erweichen oder verspröden lassen können. Jede Reinigung ist ein unumkehrbarer Eingriff, der ausschliesslich von Fachexperten mit geprüften und stabilen Materialien durchgeführt werden darf.

Wie viel Luftfeuchtigkeitsschwankung verträgt eine Leinwand, bevor Craquelé entsteht?

Einer der unsichtbarsten, aber wirkungsvollsten Feinde eines Ölgemäldes ist ein instabiles Raumklima. Insbesondere Leinwandgemälde reagieren empfindlich auf Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit (rF). Die Leinwand, meist aus Leinen oder Baumwolle, und der hölzerne Keilrahmen sind hygroskopische Materialien: Sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie wieder ab. Bei hoher Luftfeuchtigkeit dehnt sich die Leinwand aus, bei Trockenheit zieht sie sich zusammen. Diese ständige Bewegung erzeugt enorme mechanische Spannungen in den darüberliegenden, starren Schichten aus Grundierung, Farbe und Firnis.

Nahaufnahme einer Leinwand mit Craquelé-Bildung durch Klimaschwankungen

Wenn diese Spannungen die Elastizität der Malschicht übersteigen, kommt es zur Bildung von Craquelé, auch Krakelee oder Spannungsrisse genannt. Zuerst entstehen feine Haarrisse, die sich mit der Zeit vergrössern und im schlimmsten Fall zu Farbschollen führen, die sich von der Leinwand abheben und abfallen. Die entscheidende Frage für jeden Sammler ist daher: Wie viel Schwankung ist zu viel? Museumsstandards geben hier eine klare Orientierung. Für die meisten organischen Materialien, einschliesslich Leinwandgemälde, wird eine möglichst konstante relative Luftfeuchtigkeit von 45-55 % empfohlen. Entscheidender ist jedoch die Vermeidung schneller Veränderungen. So gilt laut DIN EN 15757 eine Schwankung von ±5 % relativer Luftfeuchtigkeit pro 24 Stunden als maximal tolerierbarer Wert in Museen. In einem privaten Haushalt, beeinflusst durch Heizen im Winter und Lüften im Sommer, werden diese Werte oft weit überschritten, was den Alterungsprozess dramatisch beschleunigt.

Tyvek oder Luftpolsterfolie: Welches Material darf die Malschicht direkt berühren?

Ob für einen Transport, eine Einlagerung oder den Schutz während Renovierungsarbeiten – die richtige Verpackung ist entscheidend, um ein Ölgemälde vor mechanischen und chemischen Schäden zu bewahren. Eine weit verbreitete und fatale Fehleinschätzung ist die Annahme, dass Luftpolsterfolie aus dem Baumarkt ein guter Schutz für die Bildoberfläche sei. Das Gegenteil ist der Fall: Die Weichmacher in herkömmlicher PVC-Folie können ausdampfen und mit dem Firnisharz oder sogar der Ölfarbe selbst reagieren. Dies kann eine klebrige, oft irreversible Schicht auf der Malerei hinterlassen, deren Entfernung extrem aufwendig und riskant ist.

Die goldene Regel lautet: Kein Material, dessen chemische Zusammensetzung unbekannt oder instabil ist, darf die Malschicht direkt berühren. Professionelle Restauratoren und Kunsttransporteure verwenden ausschliesslich geprüfte, alterungsbeständige und chemisch inerte Materialien. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über gängige Materialien und ihre Eignung für den Direktkontakt mit der empfindlichen Oberfläche eines Ölgemäldes.

Vergleich von Verpackungsmaterialien für Ölgemälde
Material Direktkontakt erlaubt? Risiken Empfehlung
Tyvek® Soft (1443R) Ja Keine Professionelle Wahl für Direktkontakt
Säurefreies Seidenpapier Ja Keine Sichere Alternative
Baumarkt-Luftpolsterfolie Nein Weichmacher können klebrige, irreversible Schicht hinterlassen Nur mit Zwischenschicht verwenden
Standard-Plastikfolie Nein Chemische Reaktion mit Firnisharz möglich Vermeiden

Für den privaten Besitzer bedeutet dies: Die erste Schicht, die das Gemälde umhüllt, muss immer ein Material wie Tyvek® oder säurefreies Seidenpapier sein. Erst darüber kann zum mechanischen Schutz eine Polsterung wie Luftpolsterfolie angebracht werden. Diese professionellen Materialien sind in Deutschland bei spezialisierten Anbietern für Künstler- und Restaurierungsbedarf erhältlich, wie beispielsweise Boesner, Gerstaecker oder Deffner & Johann. Viele professionelle Restauratoren bieten auch direkt Verpackungsmaterialien und Anleitungen für einen sicheren Versand an.

Museumsglas vs. Standardglas: Lohnt sich der Aufpreis für den UV-Schutz wirklich?

Die Rahmung eines Gemäldes dient nicht nur der Ästhetik, sondern ist auch seine erste Verteidigungslinie gegen schädliche Umwelteinflüsse. Eine der grössten Gefahren ist dabei das unsichtbare UV-Licht, das sowohl im Tageslicht als auch in künstlicher Beleuchtung enthalten ist. UV-Strahlung ist extrem energiereich und löst chemische Reaktionen in den Pigmenten und Bindemitteln der Malschicht aus. Die Folge: Farben verblassen unumkehrbar, organische Pigmente können sich zersetzen und das gesamte Bildgefüge wird brüchig. Besonders empfindlich sind hierbei viele Rot- und Gelbtöne.

Standard-Floatglas, wie es in den meisten Bilderrahmen verwendet wird, bietet praktisch keinen Schutz vor UV-Strahlung. Hier kommt das sogenannte Museumsglas ins Spiel. Obwohl der Name elitär klingen mag, handelt es sich um eine technologisch hochentwickelte Glassorte mit zwei entscheidenden Vorteilen. Erstens ist es entspiegelt, was eine ungestörte Betrachtung des Kunstwerks ermöglicht. Zweitens, und das ist der entscheidende konservatorische Punkt, besitzt es eine spezielle Beschichtung, die bis zu 99% der schädlichen UV-Strahlung filtert. Es schützt die Farben vor dem Ausbleichen und bewahrt die ursprüngliche Leuchtkraft für Jahrzehnte.

Der höhere Preis für Museumsglas schreckt viele zunächst ab. Betrachtet man jedoch die Kosten im Verhältnis zum Wert des Kunstwerks – sei er materiell oder ideell – und den Kosten einer potenziellen Farbretusche durch einen Restaurator, relativiert sich der Aufpreis schnell. Die Investition in Museumsglas ist keine Luxusausgabe, sondern eine präventive Konservierungsmassnahme, die den Wert und die Integrität des Gemäldes langfristig sichert. Es ist die effektivste Methode, um den Alterungsprozess durch Lichteinwirkung drastisch zu verlangsamen. Für jedes Kunstwerk, das einen besonderen Stellenwert besitzt, ist der Aufpreis daher nicht nur gerechtfertigt, sondern dringend zu empfehlen.

Wann sollten Sie einen kleinen Farbausbruch sofort sichern lassen?

Ein kleiner Farbausbruch – eine Stelle, an der die Malschicht fehlt und die Grundierung oder Leinwand sichtbar wird – mag auf den ersten Blick wie ein kleiner Schönheitsfehler wirken. Doch aus konservatorischer Sicht ist dies ein Alarmsignal. Ein solcher Verlust, auch Fehlstelle genannt, ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Er deutet auf eine lokale Schwächung der Haftung zwischen den Malschichten oder zwischen Malschicht und Grundierung hin. Die Ränder eines solchen Ausbruchs sind oft fragil und instabil. Ohne Sicherung besteht die akute Gefahr einer Kettenreaktion, bei der sich weitere, angrenzende Farbschollen lösen.

Als Besitzer stehen Sie vor der Frage: Wann ist schnelles Handeln geboten? Nicht jeder winzige Verlust erfordert eine sofortige Notfallmassnahme, aber bestimmte Kriterien deuten auf eine hohe Dringlichkeit hin. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zwischen einer temporären Sicherung und einer endgültigen Restaurierung. Eine Notfallsicherung durch einen Restaurator, oft mit kleinen Fäden oder Japanpapier und einem reversiblen Klebemittel, stabilisiert den gefährdeten Bereich und verhindert weitere Verluste, bis eine vollständige Restaurierung möglich ist. Diese Massnahme ist entscheidend, um den Originalzustand so weit wie möglich zu erhalten.

Detailansicht einer temporären Sicherung mit Japanpapier an einem Ölgemälde

Ihr Plan zur Risikobewertung: Wann ist ein Farbausbruch ein Notfall?

  1. Grösse und Aktivität prüfen: Ist der Farbausbruch grösser als 2 mm oder vergrössert er sich sichtlich? Wenn ja, ist der Zustand aktiv und erfordert sofortige Aufmerksamkeit, um einen Substanzverlust zu stoppen.
  2. Umgebung analysieren: Wölben oder heben sich die Farbschichten um den Ausbruch herum? Dies ist ein klares Zeichen für akute Haftungsprobleme und drohende weitere Verluste.
  3. Position bewerten: Befindet sich der Ausbruch am Bildrand oder in der Nähe des Keilrahmens? Diese Bereiche sind mechanisch stärker beansprucht, was das Risiko einer Vergrösserung der Schadstelle erhöht.
  4. Stabilität der Ränder testen (visuell!): Sehen die Ränder der Fehlstelle bröselig oder unterhöhlt aus? Berühren Sie die Stelle niemals, aber eine visuelle Prüfung kann auf eine hohe Instabilität hinweisen.
  5. Professionellen Rat einholen: Bei einem oder mehreren positiven Befunden sollten Sie umgehend Kontakt zu einem qualifizierten Restaurator aufnehmen, z.B. über den Verband der Restauratoren (VDR). Dieser kann den Schaden professionell sichern und weitere Schritte empfehlen.

Warum Titanweiss auf einem angeblichen Tizian-Gemälde sofort Alarm auslösen muss

Die kunsttechnologische Analyse, also die Untersuchung der Materialien und Techniken eines Gemäldes, ist ein Eckpfeiler bei der Echtheitsprüfung und Datierung. Selbst ohne teure Laborausrüstung kann das Wissen um die historische Verfügbarkeit von Pigmenten einem aufmerksamen Betrachter wichtige Hinweise geben. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Rolle der Weisspigmente. Über Jahrhunderte war Bleiweiss das dominierende Weiss in der europäischen Malerei. Erst im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts kamen neue, synthetisch hergestellte Weisspigmente auf den Markt.

Das entscheidende Pigment für die Datierung von Werken des 20. Jahrhunderts ist Titanweiss. Obwohl bereits früher entdeckt, wurde es erst ab circa 1920 industriell in Künstlerfarben verfügbar. Findet sich also Titanweiss in einem Gemälde, das angeblich von einem alten Meister wie Tizian (gest. 1576) stammt, ist dies ein unumstösslicher Beweis für eine Fälschung oder eine spätere, massive Übermalung. Ein solches Gemälde kann frühestens im 20. Jahrhundert entstanden sein. Diese Methode des „terminus post quem“ (der Zeitpunkt, nach dem etwas entstanden sein muss) ist eines der schärfsten Schwerter der Kunstexperten.

Die Unterscheidung der Weisspigmente ist für den Laien oft schwierig, aber UV-Licht kann erste Hinweise geben. Während Bleiweiss und Titanweiss unter UV-Licht dunkel oder neutral erscheinen, zeigt Zinkweiss (verfügbar ab 1834) oft eine charakteristische, helle, leicht violette Fluoreszenz. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Weisspigmente und ihre zeitliche Einordnung zusammen.

Zeitachse der Weisspigmente für die Datierung
Pigment Zeitraum UV-Fluoreszenz Charakteristika
Bleiweiss Antike bis 19. Jh. Keine Traditionelles Weisspigment, enthält regional unterschiedliche Spurenelemente
Zinkweiss Ab 1834 Violettes Leuchten Synthetischer Farbstoff des 18./19. Jahrhunderts
Titanweiss Ab ca. 1920 Keine Modernes Pigment, sofortiger Fälschungsindikator bei Altmeistern

Cadmium und Blei: Wie gehen Sie sicher mit echten Kadmiumfarben um?

Viele historische Pigmente, die für ihre Leuchtkraft und Beständigkeit geschätzt wurden und werden, sind aus heutiger Sicht hochtoxisch. Dazu gehören vor allem blei- und cadmiumhaltige Farben. Bleiweiss, über Jahrhunderte das Standardweiss, ist ein Nervengift. Cadmiumpigmente (Gelb, Orange, Rot), die im 19. Jahrhundert eingeführt wurden, sind als krebserregend eingestuft. Wenn Sie im Besitz alter Farbtuben sind oder mit traditionellen Pigmenten arbeiten, ist ein bewusster und sicherer Umgang unerlässlich, um Ihre Gesundheit zu schützen.

Die grösste Gefahr geht dabei nicht von der blossen Berührung der pastosen Ölfarbe aus, da die Pigmente im Öl gebunden sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, wo das eigentliche Risiko liegt:

Die grösste Gefahr ist nicht die Hautberührung, sondern das Einatmen von Pigmentstaub, z.B. beim Anschleifen alter Farbschichten oder bei der Verwendung von reinen Pigmenten.

– Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Empfehlungen zum Umgang mit toxischen Pigmenten

Besondere Vorsicht ist auch bei der Entsorgung geboten. Mit Lösungsmitteln getränkte Lappen, Pinselreiniger und Farbreste sind Sondermüll und dürfen unter keinen Umständen in den Hausmüll gelangen. Sie enthalten nicht nur Schwermetalle, sondern auch flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus den Lösungsmitteln, die das Grundwasser belasten können. Die korrekte Entsorgung erfolgt über den lokalen Wertstoffhof oder eine Schadstoffsammelstelle. Sammeln Sie Reste in fest verschlossenen Behältern (z.B. alten Gläsern) und kennzeichnen Sie diese deutlich. Beachten Sie die GHS-Piktogramme (Globally Harmonized System) auf den Tuben, die auf Gesundheits- und Umweltgefahren hinweisen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prävention ist der beste Schutz: Ein stabiles Raumklima und UV-Schutzglas sind wirksamer und günstiger als jede Restaurierung.
  • Ihre Rolle als Besitzer ist die des Beobachters: Dokumentieren Sie Veränderungen, anstatt selbst einzugreifen.
  • Jeder direkte Eingriff (Reinigung, Reparatur) ist ein Fall für einen qualifizierten Restaurator, um Substanzverlust zu vermeiden.

Wie schützen Sie sich vor toxischen Pigmenten und Lösungsmitteln, ohne die Malerei aufzugeben?

Die Arbeit mit Ölfarben muss kein Gesundheitsrisiko darstellen, auch wenn man traditionelle Materialien verwendet. Durch bewusstes Handeln und die Einhaltung einfacher Sicherheitsmassnahmen lässt sich die Exposition gegenüber schädlichen Substanzen minimieren. Die wichtigste Massnahme ist eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes. Arbeiten Sie, wenn möglich, bei geöffnetem Fenster (Querlüftung) oder nutzen Sie eine technische Absaugung. Dies ist besonders wichtig beim Umgang mit flüchtigen Lösungsmitteln wie Terpentin oder Testbenzin.

Fallbeispiel: Moderne, ungiftige Alternativen deutscher Qualitätshersteller

Die Sorge um toxische Pigmente hat die Farbenindustrie zu Innovationen angetrieben. Führende deutsche Hersteller wie Schmincke und Lukas bieten heute für fast jedes historische, giftige Pigment eine moderne, gesundheitlich unbedenkliche Alternative an. So wird beispielsweise das krebserregende Cadmiumrot durch Pyrrolpigmente ersetzt, die eine vergleichbare Brillanz und Lichtechtheit aufweisen. Diese modernen Ersatzpigmente sind in ihren maltechnischen Eigenschaften oft identisch und die Preisdifferenz zu den traditionellen Schwermetallfarben ist mittlerweile minimal. Der Umstieg auf diese „AP-zertifizierten“ (Approved Product) Farben ist der einfachste Weg, das Risiko vollständig zu eliminieren.

Wenn Sie nicht auf traditionelle Lösungsmittel verzichten möchten, gibt es auch hier sicherere Alternativen. Viele Hersteller bieten mittlerweile geruchsarme oder pflanzenbasierte Lösungsmittel an, die beispielsweise auf Orangen- oder Lavendelöl basieren. Diese sind weniger aggressiv und ihre Dämpfe werden als weniger belastend empfunden. Dennoch gilt auch hier: Für ausreichende Frischluftzufuhr ist stets zu sorgen. Zusätzlichen Hautschutz bieten spezielle Barriere-Cremes, die vor dem Malen aufgetragen werden, sowie das Tragen von geeigneten Handschuhen (z.B. aus Nitril). Regelmässige Pausen an der frischen Luft bei längeren Malsitzungen helfen ebenfalls, die Belastung zu reduzieren.

Ihre Rolle als Bewahrer eines Kunstwerks ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Indem Sie die Prinzipien der präventiven Konservierung anwenden und bei jedem aktiven Eingriff auf die Expertise eines diplomierten Restaurators vertrauen, sichern Sie nicht nur den materiellen, sondern auch den ideellen Wert Ihres Erbes für kommende Generationen.

Geschrieben von Elke Von Arnim, Diplom-Restauratorin und Museumsregistraren mit 18 Jahren Praxis an staatlichen Museen. Expertin für konservatorische Bedingungen, Leihverkehr und Sammlungsmanagement.