
Die Kürzung der Feuilletons bedroht Ihre Existenz als Kulturjournalist? Die Lösung liegt nicht im Warten auf Aufträge, sondern im Aufbau eines eigenen, unternehmerischen Modells.
- Diversifizieren Sie Ihre Einnahmen systematisch durch die passiven Tantiemen der VG Wort für jeden online publizierten Text.
- Monetarisieren Sie eine spitze, klar definierte Nische (z.B. Opernregie) über Mitgliedschaftsmodelle, die eine höhere Zahlungsbereitschaft erzielen als allgemeine Kulturblogs.
Empfehlung: Beginnen Sie damit, jeden Ihrer Texte als wertvolles Asset zu betrachten und dessen Monetarisierungspotenzial von Anfang an strategisch zu planen.
Die Nachricht schlägt in der deutschen Medienlandschaft immer wieder ein wie ein Blitz: Eine weitere grosse Tageszeitung legt ihre Kulturredaktionen zusammen, streicht Stellen oder dampft den Kulturteil auf ein Minimum ein. Für freie Kulturjournalisten bedeutet dies eine zunehmend prekäre Auftragslage und die Erosion eines traditionellen Geschäftsmodells. Die Reaktion darauf ist oft eine Mischung aus Resignation und der vagen Hoffnung, dass sich schon noch irgendwo eine Nische für Qualitätsinhalte finden wird. Doch Hoffnung ist keine Strategie.
Die Realität ist, dass die goldenen Zeiten des flächendeckenden, gut finanzierten Feuilletons vorbei sind. Nach der Wirtschaftskrise der deutschen Zeitungsbranche wurden Feuilletons vielerorts auf eine magere Seite eingedampft, was die Möglichkeiten für freie Autoren drastisch einschränkt. Sich allein auf die Akquise bei den verbleibenden Redaktionen zu verlassen, ist ein unternehmerisches Hochrisikospiel. Aber was, wenn die wahre Chance nicht darin liegt, um die letzten Krümel des alten Systems zu kämpfen, sondern darin, ein eigenes, unabhängiges Ökosystem aufzubauen?
Dieser Artikel bricht mit der passiven Opferrolle und positioniert Sie als das, was Sie sein müssen: ein Kultur-Solopreneur. Statt nur über Inhalte nachzudenken, werden wir über Geschäftsmodelle sprechen. Es geht nicht darum, ob Sie Patreon oder Steady nutzen, sondern darum, die ökonomische Logik dahinter zu verstehen. Wir werden analysieren, wie Sie Ihre Texte als wertvolle Assets behandeln, die über die VG Wort passive Einnahmen generieren. Wir zeigen, warum eine spitze Nische profitabler ist als ein breiter Ansatz und wie Sie Ihre Expertise so verpacken, dass sie selbst für die renommiertesten Feuilletons wieder unverzichtbar wird. Es ist an der Zeit, die Finanzierung Ihres Kulturjournalismus selbst in die Hand zu nehmen – mit strategischer Planung statt zufälliger Aufträge.
Dieser Leitfaden ist Ihr unternehmerischer Werkzeugkasten. Er führt Sie durch die pragmatischen und finanzierbaren Schritte, um vom abhängigen Zulieferer zum unabhängigen Kulturunternehmer zu werden. Entdecken Sie die konkreten Modelle, die in der deutschen Medienlandschaft bereits funktionieren.
Inhaltsverzeichnis: Strategien zur Finanzierung Ihres Kulturjournalismus
- Wie melden Sie Ihre Blogartikel richtig, um Tantiemen von der VG Wort zu erhalten?
- Paywall, Steady oder Patreon: Welches Modell akzeptieren Leser von Theaterkritiken?
- Pressereise oder Bestechung: Wo beginnt die Korruption im Reise- und Kunstjournalismus?
- Wie schreiben Sie eine Buchkritik, die auch bei Google gefunden wird?
- Warum ein spezialisierter Newsletter über Opernregie profitabler ist als ein allgemeiner Blog
- Wie schreiben Sie einen Pitch an die FAZ oder ZEIT, der nicht sofort gelöscht wird?
- Wie viel müssen Sie investieren, um im Self-Publishing professionelle Qualität zu liefern?
- Wie platzieren Sie Ihr Thema im überregionalen Feuilleton, um eine gesellschaftliche Debatte auszulösen?
Wie melden Sie Ihre Blogartikel richtig, um Tantiemen von der VG Wort zu erhalten?
Für viele Kultur-Solopreneure ist die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) die vielleicht am meisten unterschätzte Einnahmequelle. Betrachten Sie Ihre Artikel nicht als einmalige Texte, sondern als langfristige digitale Assets. Jeder auf Ihrem Blog oder online veröffentlichte Beitrag, der bestimmte Kriterien erfüllt, kann zu einer jährlichen, passiven Einnahmequelle werden. Die VG Wort schüttet Tantiemen für Texte aus, die eine Mindestlänge und eine bestimmte Anzahl an Aufrufen erreichen. Dies ist kein Almosen, sondern eine legitime Vergütung für die Nutzung Ihres geistigen Eigentums.
Das System mag auf den ersten Blick bürokratisch wirken, aber der Prozess ist standardisiert und lässt sich in eine jährliche Routine integrieren. Die entscheidenden Hürden sind die Mindestzeichenzahl von 1.800 Zeichen (inklusive Leerzeichen) und der Schwellenwert von 1.500 eindeutigen Zugriffen pro Kalenderjahr. Der zweite Punkt ist entscheidend: Er zwingt Sie, unternehmerisch zu denken und nicht nur zu schreiben, sondern auch für die Sichtbarkeit Ihrer Inhalte zu sorgen. Aktuell liegen die Tantiemen der VG Wort bei etwa 25,05 Euro pro meldefähigem Artikel für das Jahr 2024. Ein aktiver Blogger mit einem Portfolio von rund 300 Artikeln, die diese Hürde nehmen, kann so auf jährliche Nettoeinnahmen von fast 7.500 Euro kommen – eine solide Basis-Finanzierung, die unabhängig von neuen Aufträgen ist.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der systematischen Integration des Prozesses. Generieren Sie Zählmarken im Voraus und bauen Sie sie in jeden neuen Artikel ein. Nutzen Sie den Januar des Folgejahres, um Ihre Web-Analytics zu prüfen und alle Texte zu identifizieren, die den Zugriffsschwellenwert erreicht haben. Die Meldung selbst erfolgt dann über das Online-Portal T.O.M. der VG Wort. Denken Sie daran: Jeder nicht gemeldete, aber qualifizierte Artikel ist verschenktes Geld.
Paywall, Steady oder Patreon: Welches Modell akzeptieren Leser von Theaterkritiken?
Sobald Sie eine loyale Leserschaft aufgebaut haben, stellt sich die Frage der direkten Monetarisierung. Der Gedanke, für Kulturkritik Geld zu verlangen, löst bei vielen Journalisten Unbehagen aus. Doch die Daten zeigen ein klares Bild: Die Zahlungsbereitschaft für qualitativ hochwertigen Online-Journalismus wächst. Eine PwC-Studie zeigt, dass gerade die 18- bis 29-Jährigen die höchste Bereitschaft für Paywalls aufweisen. Die Frage ist also nicht *ob*, sondern *wie* Sie ein Bezahlmodell implementieren.
Für Kulturjournalisten in Deutschland haben sich vor allem Mitgliedschaftsmodelle über Plattformen wie Steady (aus Deutschland) und Patreon (aus den USA) bewährt. Anstatt einer harten Paywall, die alle Nicht-Zahler ausschliesst, ermöglichen diese Modelle einen „freiwilligen“ Support. Leser werden zu Mitgliedern, die für exklusive Inhalte, einen werbefreien Zugang oder einfach aus Wertschätzung für Ihre Arbeit einen monatlichen Beitrag leisten. Prominente deutsche Kulturmedien wie die Krautreporter, Übermedien von Stefan Niggemeier oder der Satire-Blog „Der Postillon“ finanzieren sich erfolgreich über Steady. Dies beweist: Das Modell funktioniert, wenn der gebotene Mehrwert stimmt.

Die Wahl der Plattform ist eine strategische Entscheidung. Während Patreon eine grössere internationale Reichweite bietet, ist Steady speziell auf den deutschen und europäischen Markt zugeschnitten. Das hat konkrete Vorteile bei der automatischen Abwicklung der Mehrwertsteuer und oft niedrigere Transaktionsgebühren für europäische Kreditkarten. Substack wiederum ist ideal für Autoren, die sich primär auf einen tiefgründigen, exklusiven Newsletter konzentrieren wollen.
Der folgende Vergleich zeigt die wichtigsten Unterschiede auf, die für Ihre unternehmerische Entscheidung relevant sind. Es geht nicht nur um die prozentuale Gebühr, sondern auch um die Zielgruppe der Plattform und die administrativen Hürden.
| Plattform | Gebührenmodell | Besonderheiten | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Steady (DE) | 10% Provision + Transaktionskosten | Niedrigere Kosten für EU-Karten, automatische MwSt-Abwicklung | Deutsche/EU Creator |
| Patreon (USA) | 8% Provision + höhere Transaktionskosten | Internationale Reichweite, YouTube-Integration | Video-Creator |
| Substack | 10% Provision | Newsletter-Fokus, Discovery-Features | Autoren & Journalisten |
Pressereise oder Bestechung: Wo beginnt die Korruption im Reise- und Kunstjournalismus?
Im unabhängigen Kulturjournalismus, insbesondere wenn er über Mitgliedschaften finanziert wird, ist Ihre wichtigste Währung das Vertrauen Ihrer Leser. Dieses Vertrauen wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, sobald Einladungen zu Pressereisen, gesponserte Festivalbesuche oder kostenlose Rezensionsexemplare ins Spiel kommen. Die Grenze zwischen legitimer Arbeitserleichterung und verdeckter Korruption ist fliessend und eine der grössten ethischen Herausforderungen für den Kultur-Solopreneur.
Der Deutsche Presserat zieht in Ziffer 15 des Pressekodex eine klare Linie: Die Annahme von Geschenken oder Einladungen, die „geeignet sind, die Entscheidungsfreiheit von Verlag oder Redaktion zu beeinträchtigen“, ist unzulässig. Doch was bedeutet das in der Praxis? Eine Einladung zur Premiere an der Staatsoper? Ein vom Tourismusverband bezahltes Hotelzimmer während der Biennale in Venedig? Hier beginnt eine Grauzone, die jeder Journalist für sich definieren muss. Der Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss von der ZHAW bringt das Dilemma auf den Punkt. Er stellt fest, dass Publikationen, die direkt von Kulturorganisationen finanziert werden, stets unter dem Verdacht stehen, auch deren Interessen zu vertreten, selbst wenn dieser Verdacht unbegründet ist.
Für ein leserfinanziertes Modell ist maximale Transparenz der einzige Weg. Wenn Sie eine Einladung annehmen, kommunizieren Sie dies offen. Kennzeichnen Sie Beiträge, die im Rahmen einer Pressereise oder Kooperation entstanden sind, unmissverständlich. Ein eigener, öffentlich einsehbarer „Code of Conduct“ auf Ihrer Webseite kann hierbei helfen, klare Regeln für sich und Ihre Leserschaft zu schaffen. Er definiert, was Sie annehmen und was nicht, und schützt Ihre Integrität. Letztlich ist eine kritische, unabhängige Stimme genau das, wofür Ihre Mitglieder bezahlen. Jeder Anschein von Käuflichkeit untergräbt Ihr Geschäftsmodell im Kern.
Ihre Ethik-Checkliste als Kulturjournalist: Punkte zur Überprüfung
- Prüfen Sie jede Einladung anhand des Pressekodex Ziffer 15 des Deutschen Presserats: Ist die Annahme geeignet, Ihre redaktionelle Freiheit zu beeinflussen?
- Dokumentieren Sie alle erhaltenen Vergünstigungen und Einladungen transparent für Ihre eigene Buchführung und eventuelle Rückfragen.
- Entwickeln Sie einen eigenen, öffentlichen Code of Conduct: Legen Sie fest, welche Arten von Unterstützung Sie annehmen und wie Sie damit umgehen.
- Kennzeichnen Sie Kooperationen eindeutig und verständlich für Ihre Leser, z.B. als „Medienpartnerschaft“ oder „Recherche wurde unterstützt von…“.
- Trennen Sie strikt zwischen Ihrer redaktionellen Berichterstattung und bezahlten Inhalten oder Advertorials, die klar als Anzeige markiert sein müssen.
Wie schreiben Sie eine Buchkritik, die auch bei Google gefunden wird?
Eine brillante, scharfsinnige Buchkritik zu schreiben, ist die eine Hälfte der Arbeit. Die andere, oft vernachlässigte Hälfte, ist dafür zu sorgen, dass sie auch gelesen wird. Im digitalen Zeitalter bedeutet das unweigerlich: Sie muss bei Google gefunden werden. Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist für Kulturjournalisten kein schmutziges Marketing-Wort, sondern ein essenzielles Werkzeug zur Reichweitensteigerung und damit die Grundlage für die Monetarisierung, sei es über VG Wort oder Mitgliedschaftsmodelle.
Eine für Suchmaschinen optimierte Buchkritik unterscheidet sich in ihrer Struktur und Aufbereitung von einem klassischen Feuilleton-Text. Es geht nicht darum, die literarische Qualität zu opfern, sondern sie strategisch zu verpacken. Beginnen Sie mit den Grundlagen: Der Titel Ihrer Kritik sollte nicht nur kreativ sein, sondern auch den Buchtitel und den Autorennamen enthalten. Dies sind die wahrscheinlichsten Suchbegriffe. Überlegen Sie, welche Fragen ein potenzieller Leser zu dem Buch haben könnte: „Lohnt sich das neue Buch von X?“, „Zusammenfassung von Y“, „Kritik zu Z“. Versuchen Sie, diese Fragen in Ihren Zwischenüberschriften oder im Text organisch zu beantworten.
Nutzen Sie eine klare Struktur mit Absätzen und Zwischenüberschriften (H2, H3). Dies verbessert nicht nur die Lesbarkeit für den Nutzer, sondern hilft auch Google, den Inhalt zu verstehen. Integrieren Sie relevante Schlüsselwörter auf natürliche Weise: Genre, Hauptthemen, vergleichbare Autoren. Ein kurzer Abschnitt mit einer klaren Handlungsempfehlung („Für wen ist dieses Buch geeignet?“) oder einer Zusammenfassung in Stichpunkten kann ebenfalls die Sichtbarkeit erhöhen und dem Leser einen schnellen Mehrwert bieten. Denken Sie daran: Jede Person, die über Google auf Ihre Kritik stösst, ist ein potenzieller neuer Leser, Abonnent und Unterstützer Ihrer Arbeit. SEO ist der Anfang des Konversionstrichters.
Warum ein spezialisierter Newsletter über Opernregie profitabler ist als ein allgemeiner Blog
Im digitalen Raum konkurriert Ihr allgemeiner Kulturblog mit den Online-Angeboten von DIE ZEIT, der FAZ und hunderten anderen. In diesem lauten Markt ist es fast unmöglich, eine kritische Masse an zahlenden Mitgliedern zu erreichen. Die unternehmerische Logik diktiert daher einen anderen Weg: die radikale Spezialisierung. Ein Newsletter, der sich ausschliesslich mit moderner Opernregie beschäftigt, hat ein weitaus höheres Monetarisierungspotenzial als ein Blog, der über alles von Kino über Theater bis Literatur berichtet.
Der Grund dafür liegt in der Ökonomie der Nische. Eine kleine, aber hochinteressierte Zielgruppe (Dramaturgen, Regisseure, eingefleischte Opernfans) ist bereit, für tiefgründige, exklusive Analysen, die sie nirgendwo sonst finden, deutlich mehr zu bezahlen. Während die Konversionsrate (der Anteil der Leser, die zu zahlenden Mitgliedern werden) bei einem allgemeinen Blog oft unter 1-2% liegt, kann sie in einer spitzen Nische auf 5-10% oder mehr ansteigen. Zudem sind die akzeptierten Preise höher. Für einen allgemeinen Kultur-Newsletter sind 5 Euro pro Monat schon viel, für exklusive Einblicke in die Welt der Opernregie können 15 oder 25 Euro pro Monat als fairer Preis wahrgenommen werden.
Diese „Spitzabrechnung“ hat weitere Vorteile: Die Leserbindung ist extrem hoch, da es kaum Alternativen gibt. Sie positionieren sich als der führende Experte in diesem Feld, was wiederum neue Möglichkeiten eröffnet – für bezahlte Webinare, E-Books oder Beratungsaufträge. Ein allgemeiner Blog ist ein Bauchladen; ein Nischen-Newsletter ist eine hochspezialisierte Boutique. Die folgende Tabelle verdeutlicht den wirtschaftlichen Unterschied.
| Aspekt | Nischen-Newsletter | Allgemeiner Kulturblog |
|---|---|---|
| Conversion Rate | 5-10% der Leser | 0,5-2% der Leser |
| Durchschnittlicher Abo-Preis | 15-25€/Monat | 3-7€/Monat |
| Leserbindung | Sehr hoch (80%+ Retention) | Mittel (40-60% Retention) |
| Zusatzprodukte | Webinare, E-Books möglich | Schwer zu differenzieren |
Wie schreiben Sie einen Pitch an die FAZ oder ZEIT, der nicht sofort gelöscht wird?
Auch als unabhängiger Kultur-Solopreneur mit eigenem Blog und Newsletter bleibt die Veröffentlichung in einem überregionalen Feuilleton wie der FAZ, ZEIT oder Süddeutschen Zeitung ein wichtiges Ziel. Sie bringt nicht nur Honorar, sondern vor allem Reichweite, Reputation und neue Leser für Ihre eigenen Kanäle. Doch die Redakteure dieser Häuser ertrinken in E-Mails. Ihr Pitch muss daher innerhalb von Sekunden überzeugen. Vergessen Sie vage Ideen. Ein erfolgreicher Pitch ist kein Bittgesuch, sondern ein präzises, unwiderstehliches Angebot.
Der deutsche Kulturjournalismus unterscheidet sich durch seine Anstösse zu Debatten entscheidend von den Kulturteilen der ausländischen Tagespresse.
– Deutsche Journalisten Akademie, Infoportal Kulturjournalismus
Diese Besonderheit ist Ihr Schlüssel. Ein Redakteur kauft nicht nur eine Geschichte, er kauft das Potenzial für eine gesellschaftliche Debatte. Ihr Pitch muss genau das liefern. Die Struktur ist entscheidend:
- Betreffzeile: Seien Sie ultra-konkret. Nicht „Themenvorschlag Kultur“, sondern „Pitch: Warum die neue KI-Kunstausstellung in Hamburg das Urheberrecht revolutioniert“.
- Erster Satz: Der Nachrichtenwert. Was ist neu, überraschend, brisant? Beginnen Sie mit Ihrer stärksten Information.
- Zweiter Absatz: Ihr exklusiver Zugang. Warum sind Sie der Einzige, der diese Geschichte schreiben kann? Haben Sie ein exklusives Interview? Zugang zu unveröffentlichten Daten? Eine einzigartige Expertise?
- Dritter Absatz: Der Debatten-Hebel. Welche grössere Frage wirft Ihr Thema auf? Warum ist das nicht nur für Kunstliebhaber, sondern für die ganze Gesellschaft relevant?
- Abschluss: Eine ultrakurze Bio (max. 3 Zeilen) mit Links zu 1-2 relevanten, starken Arbeitsproben.
Respektieren Sie die Zeit des Redakteurs. Fassen Sie sich kurz. Machen Sie deutlich, dass Sie die Publikation und deren Stil kennen. Ein personalisierter Pitch, der auf den richtigen Ansprechpartner zugeschnitten ist, hat eine ungleich höhere Erfolgschance als eine Massen-E-Mail.
Wie viel müssen Sie investieren, um im Self-Publishing professionelle Qualität zu liefern?
Self-Publishing ist für Kulturjournalisten eine logische Erweiterung ihres Geschäftsmodells. Eine Sammlung Ihrer besten Essays, eine tiefgehende Analyse eines Themas oder ein Interviewband kann zu einem weiteren, skalierbaren Produkt in Ihrem Portfolio werden. Doch der Erfolg im Self-Publishing hängt von einem entscheidenden Faktor ab: der wahrgenommenen Qualität. Die Zeiten, in denen ein in Word gesetztes Manuskript mit einem selbstgebastelten Cover ausreichte, sind vorbei. Um mit traditionellen Verlagen konkurrieren zu können, müssen Sie in Professionalität investieren.
Der „Professionalisierungsschwelle“ zu überspringen, erfordert gezielte Investitionen an drei kritischen Punkten. Erstens: das Lektorat und Korrektorat. Nichts untergräbt die Glaubwürdigkeit eines Autors schneller als Tipp- und Grammatikfehler. Rechnen Sie hier mit Kosten, die je nach Umfang und Qualität des Dienstleisters zwischen 4 und 10 Euro pro Normseite liegen können. Zweitens: das professionelle Buchcover. Es ist Ihr wichtigstes Marketinginstrument. Ein guter Cover-Designer kostet zwischen 500 und 1.500 Euro, ist aber eine Investition, die sich direkt auf die Verkaufszahlen auswirkt. Drittens: der professionelle Buchsatz für das gedruckte Buch und die Konvertierung in gängige E-Book-Formate. Hierfür sollten Sie, je nach Komplexität, weitere 300 bis 800 Euro einplanen.
Insgesamt bedeutet das eine Anfangsinvestition von mindestens 1.500 bis 3.000 Euro für ein qualitativ hochwertiges Buchprojekt. Das mag zunächst abschreckend klingen, aber betrachten Sie es als unternehmerische Investition in ein langlebiges Produkt. Dieses Asset kann über Jahre hinweg Einnahmen generieren – nicht nur durch Direktverkäufe, sondern potenziell auch über die VG Wort, die ebenfalls Ausschüttungen für Bücher vornimmt. Ein erfolgreicher Blogger konnte beispielsweise fast 7.500 Euro Jahreseinnahmen allein durch die VG Wort erzielen, was die anfänglichen Produktionskosten schnell amortisiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Denken Sie unternehmerisch: Behandeln Sie jeden Text als ein Asset mit Monetarisierungspotenzial (z.B. durch VG Wort), nicht als einmaligen Auftrag.
- Spezialisierung ist profitabler: Ein Nischen-Newsletter für eine spitze Zielgruppe erzielt höhere Abo-Preise und eine bessere Leserbindung als ein allgemeiner Kulturblog.
- Transparenz schafft Vertrauen: Ethische Klarheit im Umgang mit Einladungen und Kooperationen ist die Grundlage für jedes leserfinanzierte Geschäftsmodell.
Wie platzieren Sie Ihr Thema im überregionalen Feuilleton, um eine gesellschaftliche Debatte auszulösen?
Sie haben eine loyale Leserschaft in Ihrer Nische aufgebaut und Ihre Finanzen durch Mitgliedschaften und VG Wort stabilisiert. Der nächste Schritt auf der unternehmerischen Leiter ist es, aus Ihrer Nische auszubrechen und Ihr Thema auf die grosse Bühne des überregionalen Feuilletons zu heben. Hier geht es nicht mehr nur um Berichterstattung, sondern darum, eine gesellschaftliche Debatte anzustossen. Dies ist die Königsdisziplin des Kulturjournalismus und der stärkste Hebel für Ihre Reputation und Ihren Einfluss.
Der Schlüssel liegt darin, den spezifischen Anlass aus Ihrer Nische mit einer universellen, gesellschaftlich relevanten Frage zu verknüpfen. Ein Streit um eine Operninszenierung wird für die ZEIT erst dann interessant, wenn er die Frage aufwirft: „Wie weit darf Regietheater gehen und wer definiert die Grenzen der Werktreue?“. Ein Artikel über einen neuen Science-Fiction-Roman wird zum Debatten-Stoff, wenn er als Aufhänger für die Diskussion über die ethischen Implikationen von Künstlicher Intelligenz dient.
Ein aktuelles Beispiel zeigt die Dynamik von Finanzierung und Unabhängigkeit, ein Kernthema für Journalisten. Die Initiative von YouTube, ausgewählten Journalisten in Deutschland bis zu 46.000 Euro pro Jahr für den Aufbau ihrer Videokanäle zur Verfügung zu stellen, ist mehr als nur eine Branchen-News. Sie wirft eine grundsätzliche Frage auf: Kann Journalismus, der von einer globalen Tech-Plattform finanziert wird, noch unabhängig sein? Dies ist der perfekte „Debatten-Hebel“: ein konkreter Anlass mit weitreichenden, grundsätzlichen Implikationen, der weit über die direkt Beteiligten hinaus Relevanz besitzt. Indem Sie solche Themen identifizieren und in einem Pitch zuspitzen, bieten Sie den grossen Feuilletons genau das, was sie suchen: Relevanz und Gesprächsstoff.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihr journalistisches Schaffen nicht nur als Passion, sondern als Unternehmen zu begreifen und planen Sie den nächsten Schritt zur finanziellen Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen zu Krise und Zukunft des Kulturjournalismus
Welche Texte sind für VG Wort zugelassen?
Alle Texte ab 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Bei Foodblogs zählen Rezepte und Zutatenlisten NICHT zur Zeichenanzahl.
Wie hoch ist die Umsatzsteuer auf VG Wort Tantiemen?
VG-Wort-Tantiemen werden grundsätzlich mit 7% versteuert, unabhängig vom sonstigen Steuersatz des Blogs.
Können auch Österreicher die VG Wort nutzen?
Ja, Blogger aus Österreich mit deutschen Lesern können einen Wahrnehmungsvertrag abschliessen und an Ausschüttungen teilnehmen.