
Um dienstags volle Säle zu garantieren, müssen Sie aufhören, wie ein grosser Veranstalter zu denken, und stattdessen ein hyper-lokales Guerilla-Netzwerk aktivieren.
- Fokus auf „digitale Stolpersteine“ (wie Google My Business), über die spontane Touristen und Einheimische stolpern.
- Aktivierung von „analogen Türöffnern“ (wie Hotel-Concierges), die aktiv für Sie verkaufen.
Empfehlung: Konzentrieren Sie 80 % Ihrer Energie auf zwei bis drei dieser unkonventionellen Kanäle, anstatt Ihr Mini-Budget auf allen Plattformen zu verteilen.
Der Saal ist halb leer, die Band spielt vor allem für das Barpersonal, und draussen ist es ein regnerischer Dienstagabend. Dieses Szenario ist der Albtraum für jeden kleinen Veranstalter oder Clubbetreiber. Die üblichen Ratschläge sind bekannt: Social-Media-Posts, die im Nichts verpuffen, teure Anzeigen, die das Budget sprengen, und die vage Hoffnung, dass Mundpropaganda allein die Miete zahlt. Man versucht, auf allen Kanälen präsent zu sein, aber am Ende erreicht man niemanden so richtig.
Die meisten Marketing-Guides gehen von vollen Wochenenden und grosszügigen Budgets aus. Sie ignorieren die brutale Realität der Wochenmitte, in der die Konkurrenz nicht nur andere Konzerte sind, sondern auch Netflix, das gemütliche Sofa und die generelle Trägheit nach einem langen Arbeitstag. Die traditionellen Methoden sind für diesen Kampf schlicht ungeeignet. Sie sind zu langsam, zu teuer und zu ungezielt. Was also, wenn die Lösung nicht darin besteht, lauter zu schreien, sondern schlauer zu flüstern – und zwar direkt ins Ohr der richtigen Leute?
Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Denkweise radikal zu ändern. Vergessen Sie breites Marketing und konzentrieren Sie sich auf ein cleveres, hyper-lokales Guerilla-Netzwerk. Dieser Ansatz kombiniert präzise digitale „Stolpersteine“, über die Ihre Zielgruppe quasi zufällig stolpert, mit echten, analogen „Türöffnern“, die Ihnen aktiv Gäste vermitteln. Es geht darum, genau dort präsent zu sein, wo die spontane Entscheidung für einen Abend-Ausflug fällt: auf dem Smartphone eines Touristen, der gerade sein Hotelzimmer bezogen hat, oder im Gespräch mit einem Concierge.
Dieser Artikel ist Ihr Fahrplan, um genau dieses Netzwerk aufzubauen. Wir werden uns Schritt für Schritt durch die effektivsten, budgetschonenden Taktiken arbeiten, die speziell für die Herausforderungen eines Dienstagabends konzipiert sind. Von der Optimierung Ihrer digitalen Visitenkarte bis hin zur Aktivierung von Partnern, die Sie nie auf dem Schirm hatten – Sie lernen, wie Sie mit minimalem finanziellem Aufwand maximale Wirkung erzielen.
Der folgende Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit einer Reihe von gezielten Massnahmen Ihre Präsenz optimieren, neue Vertriebskanäle erschliessen und letztendlich mehr Tickets verkaufen. Jede Sektion liefert Ihnen konkrete, sofort umsetzbare Strategien.
Sommaire: Ihr Fahrplan für ausverkaufte Events unter der Woche
- Wie nutzen Sie „Google My Business“, damit Touristen Ihr Konzert finden?
- Warum Ihr Newsletter im Spam-Ordner landet und wie Sie die Betreffzeile fixen
- Wie bringen Sie Hotel-Concierges dazu, Ihren Club zu empfehlen?
- Restkarten-Apps: Wann lohnt sich der Verkauf über „TodayTix“ und Co.?
- Wo dürfen Sie in deutschen Städten noch plakatieren, ohne Bussgeld zu zahlen?
- Warum Tickets plötzlich 300 € kosten, wenn Sie 5 Minuten warten
- Vernissage am Freitag oder Samstag: Welcher Termin garantiert maximale Presseaufmerksamkeit?
- Wie bekommen Sie Ihr Geld zurück, wenn das Konzert verschoben wird oder der Headliner ausfällt?
Wie nutzen Sie „Google My Business“, damit Touristen Ihr Konzert finden?
Ihr Google My Business (GMB) Profil ist mehr als nur eine digitale Visitenkarte; es ist Ihr wichtigster digitaler Stolperstein für Touristen und spontan entschlossene Einheimische. Wenn jemand dienstags um 19 Uhr in Ihrer Stadt nach „Konzert heute Abend“ oder „Live-Musik in der Nähe“ sucht, ist Ihr GMB-Eintrag Ihr Aushängeschild. Die meisten Veranstalter vernachlässigen dieses Tool sträflich und beschränken sich auf die Angabe von Adresse und Öffnungszeiten. Der Schlüssel liegt jedoch in der aktiven Nutzung der Event-Funktionen, die Google bereitstellt.
Stellen Sie sich GMB als Ihre eigene kleine, kostenlose Werbetafel direkt in den Suchergebnissen und auf Google Maps vor. Anstatt nur zu existieren, muss Ihr Profil aktiv verkaufen. Nutzen Sie die „Beiträge“-Funktion, um Ihr Dienstagabend-Event gezielt anzukündigen. Ein Beitrag mit einem ansprechenden Bild, einem klaren Call-to-Action („Tickets für heute Abend sichern!“) und einem direkten Link zum Ticketshop ist Gold wert. Noch wichtiger ist die Implementierung von strukturierten Daten (Event-Schema) auf Ihrer Website. Dies signalisiert Google, dass es sich um eine Veranstaltung handelt, und erhöht die Chance, in den speziellen Event-Boxen der Suche prominent angezeigt zu werden. Das ist kostenlose Premium-Sichtbarkeit genau im Moment der Entscheidung.
Proaktivität ist ebenfalls entscheidend. Nutzen Sie die Q&A-Funktion, um typische Fragen selbst zu stellen und zu beantworten. „Gibt es noch Tickets an der Abendkasse?“, „Welche Musikrichtung spielt die Band heute?“, „Wie komme ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Ihnen?“. Damit nehmen Sie potenziellen Besuchern die letzten Hürden und signalisieren Google gleichzeitig Relevanz für diese Suchanfragen. Ein gut gepflegtes GMB-Profil ist die Grundlage Ihres Guerilla-Marketings: Es kostet nichts ausser Zeit und fängt genau die Zielgruppe ab, die Sie sonst nie erreichen würden.
Ihr Aktionsplan für die Event-Schema-Integration
- Strukturierte Daten implementieren: Fügen Sie das Event-Schema.org-Markup mithilfe von JSON-LD auf Ihrer Website hinzu, um Google klare Informationen über Ihr Event zu geben.
- Q&A-Funktion proaktiv nutzen: Beantworten Sie typische Touristenfragen (z.B. zur Anfahrt, Abendkasse), bevor sie gestellt werden, um Barrieren abzubauen.
- Zeitlich begrenzte Event-Posts erstellen: Veröffentlichen Sie spezielle Beiträge für Ihre Dienstagabend-Events mit einem klaren Call-to-Action und direkter Verlinkung.
- Ticketing-Systeme verknüpfen: Stellen Sie sicher, dass Ihre Beiträge und Ihr Profil direkt auf vertrauenswürdige deutsche Ticket-Anbieter wie Eventim oder TixforGigs verweisen.
- Implementierung testen: Überprüfen Sie mit dem „Rich Result Test Tool“ von Google, ob Ihre strukturierten Daten korrekt erkannt werden und für Rich Snippets qualifiziert sind.
Warum Ihr Newsletter im Spam-Ordner landet und wie Sie die Betreffzeile fixen
Ihr E-Mail-Newsletter ist potenziell Ihr mächtigstes Werkzeug, um Stammgäste zu reaktivieren. Doch dieses Werkzeug ist oft stumpf: Die E-Mails landen im Spam-Ordner oder werden aufgrund langweiliger Betreffzeilen ignoriert. Das Problem ist nicht der Newsletter an sich, sondern die mangelnde technische und inhaltliche Pflege. Spam-Filter sind heute hochentwickelt und bestrafen schlechte Praktiken gnadenlos. Faktoren wie eine niedrige Öffnungsrate, fehlende Authentifizierung (SPF, DKIM) oder der Versand an inaktive Adressen signalisieren den Providern, dass Ihre Inhalte unerwünscht sind.
Die Lösung beginnt bei der technischen Sauberkeit und der Einhaltung der DSGVO. Eine Studie von RapidMail zeigt, dass ein sauberes Double-Opt-In-Verfahren nicht nur rechtlich absichert, sondern auch die Zustellbarkeit signifikant verbessert. Indem Sie sicherstellen, dass nur wirklich interessierte Kontakte in Ihrem Verteiler sind, steigern Sie automatisch Ihre Öffnungsraten und verbessern Ihre Reputation als Versender. Dies ist der erste Schritt, um dem Spam-Ordner zu entkommen.

Der zweite, entscheidende Hebel ist die Betreffzeile. Sie ist Ihr Türsteher. Eine generische Betreffzeile wie „Newsletter Mai“ oder „Unsere nächsten Events“ geht im Posteingang unter. Personalisierung und Dringlichkeit sind hier die Währung. Statistiken belegen, dass E-Mails mit personalisierten Betreffzeilen mit einer um 22% höheren Wahrscheinlichkeit geöffnet werden. Sprechen Sie den Empfänger direkt an („Max, Lust auf Live-Musik am Dienstag?“) oder schaffen Sie eine exklusive Neugier („Ein Geheimtipp nur für dich: Das passiert am Dienstag“). Testen Sie A/B-Varianten: Frage vs. Aussage, mit vs. ohne Emoji. Ihr Ziel ist es, aus der Masse herauszustechen und einen unwiderstehlichen Grund zum Öffnen zu liefern.
Fallstudie: DSGVO-konforme Verfahren als Schlüssel zur Zustellbarkeit
Der deutsche Newsletter-Anbieter RapidMail hat analysiert, wie wichtig ein rechtlich und technisch sauberes Anmeldeverfahren ist. Ihre Daten zeigen, dass Newsletter, die ausschliesslich über ein konformes Double-Opt-In-Verfahren nach DSGVO versendet werden, überdurchschnittlich hohe Zustellraten erreichen. Der Grund: Inaktive oder fehlerhafte Adressen werden eliminiert und es bleiben nur Kontakte, die echtes Interesse bekundet haben. Dies führt zu höheren Öffnungsraten und signalisiert E-Mail-Providern wie GMX oder Gmail, dass die Inhalte relevant und erwünscht sind, was die Wahrscheinlichkeit einer Spam-Einstufung drastisch reduziert.
Wie bringen Sie Hotel-Concierges dazu, Ihren Club zu empfehlen?
Während Sie sich auf digitale Kanäle konzentrieren, sitzt Ihr vielleicht bester Verkäufer nur wenige Strassen entfernt hinter einem eleganten Tresen: der Hotel-Concierge. Er ist der ultimative „analoge Türöffner“ in Ihrem Guerilla-Netzwerk. Touristen, insbesondere Geschäftsreisende, die unter der Woche in der Stadt sind, fragen ihn: „Was kann man denn hier heute Abend machen?“. Wenn der Concierge Ihren Club empfiehlt, ist das eine hochgradig vertrauenswürdige Empfehlung, die fast immer zu einem Ticketverkauf führt.
Der Fehler vieler Veranstalter ist, diese Partnerschaft als selbstverständlich anzusehen oder sie gar nicht erst zu versuchen. Sie können nicht einfach einen Stapel Flyer auf den Tresen legen und auf das Beste hoffen. Sie müssen den Concierge zu Ihrem Partner machen. Das erfordert eine professionelle und wertschätzende Herangehensweise. Der Fokus sollte auf Business-Hotels liegen, da deren Gäste unter der Woche oft nach Abendunterhaltung suchen und über ein entsprechendes Budget verfügen. Sie verkaufen nicht nur ein Ticket, sondern eine exklusive, unkomplizierte Erfahrung.
Der Concierge ist für Gäste als Ansprechpartner für andere Anfragen verfügbar, wie Beratung und Buchungen für Ausflüge, Transfers und Restaurants. Sie haben oft spezielle Kontakte und fungieren als ‚Türöffner‘.
– Wikipedia Contributors, Wikipedia – Concierge Definition
Um diese „Türöffner“-Beziehung aufzubauen, benötigen Sie ein überzeugendes Angebot. Erstellen Sie ein professionelles „Concierge-Kit“ mit hochwertigen Infomaterialien und vielleicht sogar einem personalisierten QR-Code, um die Empfehlungen nachverfolgen zu können. Bieten Sie exklusive Pakete, die der Gast nur über den Concierge buchen kann, wie zum Beispiel ein Ticket inklusive Freigetränk und kostenloser Garderobe. Das gibt dem Concierge etwas Besonderes an die Hand und dem Gast einen klaren Mehrwert. Der wichtigste Schritt ist jedoch der persönliche Kontakt: Organisieren Sie einen exklusiven Abend für die Concierges der umliegenden Hotels, damit sie Ihre Location und Ihr Angebot aus erster Hand erleben können. Ein transparentes, faires Provisionssystem rundet die Partnerschaft ab und schafft eine Win-Win-Situation.
- Erstellen Sie ein professionelles Concierge-Kit mit Flyern, die den exklusiven Mehrwert für Hotelgäste klar kommunizieren.
- Fokussieren Sie sich auf 3- bis 5-Sterne-Business-Hotels in Laufnähe, deren Gäste unter der Woche nach Abendunterhaltung suchen.
- Bieten Sie ein unwiderstehliches Paket für Hotelgäste, z. B. „Ticket + 1 Freigetränk“, um die Empfehlung zu erleichtern.
- Organisieren Sie ein- bis zweimal im Jahr einen „Concierge-Abend“, um Ihre Location persönlich vorzustellen und Beziehungen aufzubauen.
- Etablieren Sie ein einfaches, transparentes Provisions- oder Belohnungssystem (z. B. pro verkauftem Ticket oder eine monatliche Pauschale).
Restkarten-Apps: Wann lohnt sich der Verkauf über „TodayTix“ und Co.?
Der Dienstagabend rückt näher und es sind noch 50 Tickets übrig. Jetzt schlägt die Stunde der Restkarten-Apps wie „TodayTix“, „Headout“ oder lokaler Alternativen. Diese Plattformen sind auf Spontankäufer spezialisiert – eine Zielgruppe, die perfekt zum Szenario „Was machen wir heute Abend?“ passt. Der Vorteil: Sie erreichen ein neues Publikum, das Ihren Club vielleicht noch nicht kennt, und erzeugen durch rabattierte Last-Minute-Preise einen starken Kaufanreiz. Doch dieser Kanal ist kein Allheilmittel und birgt Risiken.
Die grösste Gefahr ist die Kannibalisierung Ihrer Stammkunden und die Abwertung Ihrer Marke. Wenn Ihre treuen Fans lernen, dass sie nur lange genug warten müssen, um Tickets 30 % günstiger zu bekommen, werden sie aufhören, zum vollen Preis zu kaufen. Zudem verlangen diese Plattformen saftige Provisionen von 25-30 %, was Ihre Marge erheblich schmälert. Der Einsatz von Restkarten-Apps muss daher eine strategische Entscheidung sein, keine panische Notfallmassnahme. Sie lohnen sich vor allem dann, wenn Ihr Break-Even-Point bereits erreicht ist und jeder zusätzliche Verkauf reiner Gewinn ist, oder wenn das Ziel primär darin besteht, neue Kunden zu gewinnen und den Saal um jeden Preis zu füllen, um für Stimmung zu sorgen.

Eine klare Kalkulation ist unerlässlich. Bevor Sie Tickets auf einer Restkarten-Plattform listen, müssen Sie Ihren Break-Even-Preis pro Ticket kennen. Wenn Ihr Ticket an der Abendkasse 20 € kostet, aber Ihr Break-Even bei 15 € liegt, können Sie es sich vielleicht leisten, es für 20 € auf der App anzubieten, wovon Sie nach Abzug der Provision noch knapp über Ihrem Break-Even landen. Der Schlüssel ist, den Preis so zu gestalten, dass er attraktiv bleibt, ohne Ihr eigenes Geschäft zu untergraben.
Die folgende Tabelle hilft Ihnen bei der grundlegenden Break-Even-Kalkulation für verschiedene Vertriebskanäle, basierend auf typischen Provisionsmodellen. Wie diese vergleichende Analyse zeigt, muss der Ticketpreis je nach Kanal angepasst werden, um rentabel zu bleiben.
| Verkaufskanal | Provision | Mindestpreis für Break-Even | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Direktverkauf | 0% | 15€ | Stammkunden |
| Restkarten-App | 25-30% | 20-21€ | Spontankäufer |
| Partner-Hotels | 10-15% | 17-18€ | Touristen |
Wo dürfen Sie in deutschen Städten noch plakatieren, ohne Bussgeld zu zahlen?
Plakate und Flyer sind der Inbegriff des Guerilla-Marketings – direkt, visuell und lokal. Doch in Deutschland ist „wildes Plakatieren“ an Laternenmasten, Stromkästen oder Hauswänden streng verboten und kann zu empfindlichen Bussgeldern durch das Ordnungsamt führen. Der Versuch, hier Geld zu sparen, kann schnell nach hinten losgehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Plakatwerbung tot ist. Sie müssen nur wissen, wo die legalen und effektiven Zonen für Ihre analoge Offensive liegen.
Der offizielle Weg führt über eine Sondernutzungserlaubnis. Diese können Sie beim zuständigen Ordnungs- oder Tiefbauamt Ihrer Stadt beantragen, um für einen bestimmten Zeitraum an festgelegten Orten Plakate aufzuhängen. Dies ist oft mit Kosten verbunden, sichert Sie aber rechtlich ab. Eine kostengünstigere und oft effektivere Alternative sind jedoch die „geduldeten“ oder explizit erlaubten Flächen. Dazu gehören offizielle Kultursäulen, die von Firmen wie der Deutschen Plakat-Reklame (DPR) betrieben werden, aber auch kostenlose Aushangflächen, die es in vielen Städten noch gibt.
Die wahre Kunst des Guerilla-Plakatierens liegt jedoch in den Mikro-Standorten. Anstatt auf grosse Plakate zu setzen, konzentrieren Sie sich auf Postkarten und Kleinplakate (A4/A3) an Orten, wo sich Ihre Zielgruppe aufhält. Die wichtigsten legalen und hochwirksamen Orte sind:
- Kultureinrichtungen und Cafés: Viele Cafés, Bars, Kinos und alternative Buchläden haben spezielle Wände oder Bretter für Flyer und Postkarten. Fragen Sie immer freundlich nach Erlaubnis.
- Universitäten und Bibliotheken: Die „Schwarzen Bretter“ in Universitäten sind ein Hotspot, um ein junges, kulturinteressiertes Publikum zu erreichen.
- Musikgeschäfte und Proberäume: Hier erreichen Sie gezielt Musikliebhaber und andere Musiker.
Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht die Masse, sondern die strategische Platzierung. Ein Flyer im richtigen Café, direkt neben der Kaffeemaschine, kann wertvoller sein als zehn illegal geklebte Plakate an einer Hauptstrasse. Denken Sie immer daran, dass Ihre Printwerbung ein Gast ist – sie sollte dort sein, wo sie willkommen ist.
Warum Tickets plötzlich 300 € kosten, wenn Sie 5 Minuten warten
Jeder kennt das Phänomen von Flugbuchungen: Man zögert fünf Minuten, und der Preis explodiert. Dieses Prinzip, bekannt als Dynamic Pricing, nutzt psychologische Trigger wie Verknappung und Dringlichkeit, um Kaufentscheidungen zu beschleunigen. Grosse Ticketplattformen wie Ticketmaster setzen komplexe Algorithmen ein, um die Preise in Echtzeit an die Nachfrage anzupassen. Für einen kleinen Clubbetreiber scheint das unerreichbar und technisch zu aufwendig. Doch das Grundprinzip lässt sich auch ohne teure Software und auf eine vollkommen transparente, faire Weise umsetzen.
Die Lösung liegt in der klaren Kommunikation von gestaffelten Ticket-Kontingenten. Anstatt den Preis willkürlich zu ändern, definieren Sie von vornherein verschiedene Preisstufen. Diese Strategie ist nicht nur einfach umzusetzen, sondern auch rechtlich unbedenklich, solange die Bedingungen klar kommuniziert werden. Es erzeugt einen fairen Kaufdruck, der frühe Käufer belohnt und späte Entscheider motiviert, nicht länger zu warten.
Stellen Sie sich vor, Sie bewerben Ihr Dienstagabend-Konzert mit folgender Struktur:
- „Super Early Bird“ Kontingent: Die ersten 30 Tickets für nur 12 €.
- „Early Bird“ Kontingent: Die nächsten 50 Tickets für 15 €.
- „Regulärer Vorverkauf“: Alle weiteren Tickets bis zum Veranstaltungstag für 18 €.
- „Abendkasse“: 22 €.
Diese transparente Staffelung macht die Preissteigerung nachvollziehbar und fair. Kunden sehen, dass sie durch schnelles Handeln Geld sparen können. Dies ist ein extrem starker psychologischer Anreiz, der den Ticketverkauf schon früh ankurbelt und Ihnen Planungssicherheit gibt. Sie nutzen die gleiche Psychologie wie die grossen Player, aber auf eine ehrliche und kundenfreundliche Weise.
Fallstudie: Dynamisches Pricing für Kleinveranstalter ohne teure Software
Eine effektive Methode für Veranstalter mit kleinem Budget ist die manuelle Umsetzung von Dynamic Pricing durch klar kommunizierte Ticket-Stufen. Anstatt auf komplexe Algorithmen zu setzen, wird der Vorverkauf in Phasen unterteilt. Beispielsweise werden die ersten 50 Tickets als „Early Bird“ für 15 € verkauft, die nächsten 100 zum regulären Preis von 18 € und die restlichen an der Abendkasse für 22 €. Diese transparente Preisstaffelung wird offen in der Event-Kommunikation beworben. Sie erzeugt einen legitimen Kaufdruck („Sichere dir dein günstiges Ticket, bevor das Kontingent weg ist!“), ohne die Kunden zu täuschen, und ist bei klarer Preiskommunikation rechtlich absolut unbedenklich.
Vernissage am Freitag oder Samstag: Welcher Termin garantiert maximale Presseaufmerksamkeit?
Die landläufige Meinung besagt: Die beste Zeit für ein Event ist das Wochenende. Freitag- oder Samstagabende sind jedoch auch die Termine mit der grössten Konkurrenz – nicht nur um Gäste, sondern auch um die Aufmerksamkeit der Presse. Die Feuilletons und grossen Veranstaltungskalender sind an diesen Tagen überfüllt. Der Versuch, dort mit einem kleinen Budget eine Nische zu finden, ist oft zum Scheitern verurteilt. Die paradoxe Lösung für maximale Aufmerksamkeit könnte gerade der unbeliebte Dienstag sein.
Für einen Dienstagabend müssen Sie Ihre Pressestrategie radikal ändern. Vergessen Sie die überlaufenen Haupt-Feuilletons der Tageszeitungen. Ihr Ziel sind die kleineren, aber oft geleseneren Rubriken und Nischenmedien, die genau nach Inhalten für die Wochenmitte suchen. Lokale Stadtmagazine, Blogs und die „Tipps der Woche“-Sektionen sind hungrig nach Content für die vermeintlich ruhigeren Tage. Eine gut aufbereitete Pressemitteilung, die genau auf diese Rubriken zugeschnitten ist, hat eine weitaus höhere Chance auf Veröffentlichung als eine von hundert für das Wochenende.
Zielen Sie nicht auf die überlasteten Feuilletons, sondern auf die Rubriken ‚Tipps der Woche‘ oder ‚Was geht heute in [Ihrer Stadt]?‘
– Eventmarketing Experte, Strategische Neuausrichtung für Wochenmitte-Events
Parallel zur klassischen Pressearbeit sollten Sie eine gezielte Micro-Influencer-Strategie fahren. Identifizieren Sie lokale Instagram- oder TikTok-Creator mit einer kleineren, aber sehr engagierten Followerschaft (1.000-10.000 Follower), deren Stil zu Ihrem Event passt. Anstatt Geld zu bieten, laden Sie diese exklusiv ein, vielleicht mit einer Begleitperson und einem Freigetränk. Der Deal: authentische Berichterstattung in ihren Stories. Stellen Sie ihnen „shareable Content“ zur Verfügung – einen coolen digitalen Flyer oder ein kurzes Video –, um die Hürde für einen Post so niedrig wie möglich zu halten. Diese Art der Mundpropaganda ist authentisch, kostengünstig und erreicht oft genau die junge, spontane Zielgruppe, die Sie für einen Dienstagabend brauchen.
- Identifizieren Sie lokale Instagram/TikTok-Creator mit 1.000-10.000 engagierten Followern, die thematisch zu Ihrem Event passen.
- Bieten Sie exklusive Vorab-Einladungen (+1) anstelle von Geld für eine authentische und ungezwungene Berichterstattung.
- Erstellen Sie einfach zu teilende Content-Vorlagen (z. B. animierte Story-Grafiken), um die Posting-Hürde zu senken.
- Nutzen Sie einen spezifischen Event-Hashtag für die Wochenmitte (z. B. #DienstagInDeinerStadt), um die Beiträge zu bündeln.
- Verfolgen Sie das Engagement und den Erfolg, indem Sie den Influencern individuelle Promo-Codes oder Gästelistenplätze zur Verlosung anbieten.
Das Wichtigste in Kürze
- Vergessen Sie Massenmarketing; konzentrieren Sie sich auf ein hyper-lokales Netzwerk aus digitalen und analogen Kontaktpunkten.
- Machen Sie Hotel-Concierges und lokale Micro-Influencer zu Ihren aktiven Vertriebspartnern.
- Nutzen Sie psychologische Preistaktiken wie transparente Ticket-Staffelungen, um Dringlichkeit zu erzeugen und den Vorverkauf anzukurbeln.
Wie bekommen Sie Ihr Geld zurück, wenn das Konzert verschoben wird oder der Headliner ausfällt?
Als Veranstalter konzentrieren Sie sich darauf, den Laden voll zu bekommen. Doch was passiert, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten? Eine Konzertverschiebung, eine Absage oder der Ausfall des angekündigten Headliners können nicht nur zu finanziellen Verlusten, sondern auch zu einem massiven Vertrauensverlust bei Ihren Kunden führen. Eine klare, faire und rechtssichere Handhabung dieser Krisensituationen ist essenziell für Ihren langfristigen Ruf. In Deutschland bildet das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) die Grundlage für die Rechte der Ticketkäufer.
Grundsätzlich gilt: Wird eine Veranstaltung abgesagt, haben Kunden nach § 275 und § 326 BGB Anspruch auf die vollständige Rückerstattung des Ticketpreises. Die oft angebotenen Gutscheinlösungen sind nur mit expliziter Zustimmung des Kunden zulässig. Bei einer Verschiebung ist die Lage komplexer. Der Kunde muss den neuen Termin nicht akzeptieren und kann ebenfalls sein Geld zurückverlangen. Ein besonders heikler Fall ist der Ausfall des Headliners. Gilt dieser als wesentlicher Vertragsbestandteil – was bei einem Konzert meist der Fall ist –, kann dies ebenfalls einen Anspruch auf Rückerstattung begründen.
Ihre beste Absicherung ist Prävention durch klare und faire Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Definieren Sie im Vorfeld, was im Falle einer Absage, Verschiebung oder einer wesentlichen Programmänderung passiert. Noch wichtiger ist jedoch die Kommunikation im Krisenfall. Informieren Sie Ihre Kunden so schnell, transparent und proaktiv wie möglich über alle Kanäle. Bieten Sie klare Wahlmöglichkeiten an (z. B. Rückerstattung oder ein Gutschein mit einem kleinen Bonus als Dankeschön für die Treue). Eine kundenfreundliche und ehrliche Kommunikation kann einen potenziellen Shitstorm in eine Geste der Wertschätzung verwandeln und die Kundenbindung sogar stärken. Denken Sie daran: Wie Sie mit Problemen umgehen, sagt mehr über Ihre Marke aus als ein reibungslos ablaufendes Event.
Sie haben nun ein Arsenal an praxisnahen Guerilla-Taktiken zur Hand, die speziell dafür entwickelt wurden, die Hürden eines Dienstagabends zu überwinden. Der Erfolg liegt nicht darin, alle diese Strategien auf einmal umzusetzen, sondern darin, die zwei oder drei wirkungsvollsten für Ihren spezifischen Standort und Ihre Zielgruppe auszuwählen und diese konsequent zu verfolgen. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr persönliches Guerilla-Netzwerk aufzubauen und beweisen Sie, dass auch ein Dienstagabend ausverkauft sein kann.
Häufig gestellte Fragen zu Event-Marketing bei Absagen
Welche rechtlichen Grundlagen gelten bei Absagen nach BGB?
Nach § 275 und § 326 BGB haben Kunden bei Absagen grundsätzlich Anspruch auf Rückerstattung, es sei denn, AGBs regeln Gutscheinlösungen. Der Veranstalter wird von seiner Leistungspflicht befreit, muss aber im Gegenzug den Kaufpreis erstatten.
Wie kommuniziere ich eine Absage kundenfreundlich?
Informieren Sie transparent und zeitnah über alle Kanäle (E-Mail, Social Media, Website). Erklären Sie kurz die Gründe, entschuldigen Sie sich für die Unannehmlichkeiten und bieten Sie klare Wahlmöglichkeiten wie eine einfache Rückerstattung oder einen Gutschein, eventuell mit einem kleinen Bonus (z. B. 10 % Aufschlag) als Zeichen der Wertschätzung.
Welche AGB-Regelungen sind empfehlenswert?
Definieren Sie in Ihren AGBs klar die Vorgehensweise bei Absage, Verlegung und wesentlichen Programmänderungen (z. B. Ausfall eines Headliners). Legen Sie fest, welche Fristen für Rückerstattungsansprüche gelten und unter welchen Bedingungen Gutscheine angeboten werden können, um rechtliche Klarheit für beide Seiten zu schaffen.