Veröffentlicht am März 11, 2024

Die digitale Sichtbarkeit Ihres Kulturhauses hängt weniger vom Marketingbudget als von einer sauberen technischen Datenstruktur ab.

  • Die korrekte Auszeichnung Ihrer Veranstaltungen mit spezifischen Schemata wie „ExhibitionEvent“ ist entscheidender als die Anzahl der Social-Media-Posts.
  • Die Pflege von neutralen Daten in Wikidata erhöht Ihre Auffindbarkeit im Google Knowledge Graph effektiver als direkte Bearbeitungen in Wikipedia.
  • Die Optimierung Ihres Google-My-Business-Profils ist der direkteste Weg, um Touristen und lokales Publikum zu erreichen.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einem Audit Ihrer strukturierten Daten und Ihrer Präsenz im Google Knowledge Graph, anstatt eine weitere Social-Media-Kampagne zu starten.

Sie haben eine herausragende Ausstellung kuratiert, ein fesselndes Theaterstück inszeniert oder eine Sammlung von unschätzbarem Wert. Doch im digitalen Raum herrscht Stille. Potenzielle Besucher finden Ihre Angebote nicht, weil sie im endlosen Strom von Informationen untergehen. Als Marketingleiter eines Kulturhauses kennen Sie diesen Kampf nur zu gut. Der tägliche Einsatz auf Social Media, das Schalten von Anzeigen – all das scheint nur ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein, während der Algorithmus unberechenbar bleibt.

Viele Marketing-Ratgeber empfehlen die üblichen Taktiken: mehr Content, schönere Bilder, häufigere Posts. Man versucht, lauter zu sein als die Konkurrenz. Doch dieser Ansatz übersieht den entscheidenden Faktor: In der digitalen Welt gewinnt nicht der Lauteste, sondern derjenige, der am klarsten mit den Maschinen kommuniziert. Die Algorithmen von Google und Co. sind keine undurchschaubaren Ungeheuer, sondern logische Systeme, die auf strukturierte, konsistente und vertrauenswürdige Daten angewiesen sind.

Was wäre, wenn der Schlüssel zur Sichtbarkeit nicht in der nächsten kreativen Kampagne, sondern in der präzisen technischen Infrastruktur Ihrer Daten liegt? Wenn es darum ginge, Ihre Sammlung, Ihre Veranstaltungen und Ihr Haus als unmissverständliche Entität im digitalen Wissensnetz zu verankern? Dieser Artikel bricht mit dem oberflächlichen Marketing-Gerede und liefert einen technischen, handlungsorientierten Leitfaden. Wir tauchen tief in die Mechanismen von Schema.org, Wikidata und Google My Business ein, um Ihnen zu zeigen, wie Sie die Sprache der Algorithmen lernen und so Ihre digitale Autorität systematisch aufbauen – und Ihre Zielgruppe endlich erreichen.

Dieser Leitfaden ist in acht strategische Bereiche gegliedert. Jeder Abschnitt behandelt ein spezifisches technisches oder strategisches Problem und bietet konkrete, umsetzbare Lösungen, um die digitale Präsenz Ihrer Kultureinrichtung nachhaltig zu stärken. Entdecken Sie, wie Sie die unsichtbaren Hebel der digitalen Welt für sich nutzen.

Wie bringen Sie Ihre Sammlung in das Google-Universum und was bringt es wirklich?

Die blosse Digitalisierung Ihrer Sammlungsobjekte und deren Präsentation auf Ihrer Website ist nur der erste Schritt. Um im Google-Universum wirklich sichtbar zu werden, müssen Ihre Daten als zusammenhängende Entität erkannt werden. Das Ziel ist es, in den Google Knowledge Graph aufgenommen zu werden – jene Informationsbox, die prominent neben den Suchergebnissen erscheint und Autorität signalisiert. Dies geschieht nicht durch Keywords, sondern durch die Vernetzung konsistenter Daten über vertrauenswürdige Quellen hinweg.

Der Schlüssel dazu liegt in der Verknüpfung Ihrer Sammlung mit globalen Datenbanken wie Wikidata. Indem Sie für Ihre Institution und Ihre wichtigsten Objekte eindeutige Einträge erstellen und diese mit standardisierten Identifikatoren (wie der Google Knowledge Graph ID) verknüpfen, schaffen Sie ein unmissverständliches Signal für Suchmaschinen. Google versteht dann nicht nur, *dass* ein Objekt existiert, sondern auch, *was* es ist, wo es sich befindet und in welchem Kontext es steht. Diese semantische Strukturierung ist die Grundlage für eine nachhaltige digitale Präsenz, die weit über kurzfristige SEO-Tricks hinausgeht.

Detailaufnahme der digitalen Vernetzung von Museumsobjekten im Google Knowledge Graph

Wie dieses Schema verdeutlicht, geht es um den Aufbau eines digitalen Wissensnetzwerks. Jedes Objekt, jede Veranstaltung und jede Information über Ihr Haus wird zu einem Knotenpunkt in einem grösseren Gefüge, das von Suchmaschinen gelesen und verstanden werden kann. Die Initiative museum-digital in Brandenburg ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie ein solches Netzwerk die Sichtbarkeit und Vernetzung von Museen massiv stärken kann. Durch die zentrale Bereitstellung von Sammlungsdaten profitieren alle teilnehmenden Häuser von einer erhöhten Auffindbarkeit und Synergieeffekten.

Warum findet niemand Ihre Veranstaltungen? Der Fehler in den Schema.org-Daten

Sie haben eine Sonderausstellung auf Ihrer Website angekündigt, doch in den Google-Suchergebnissen taucht sie nicht als klickbares Event auf. Der wahrscheinlichste Grund: Ihre Website spricht nicht die richtige Sprache. Damit Google eine Veranstaltung als solche erkennt, müssen die Informationen mit strukturierten Daten nach dem Vokabular von Schema.org ausgezeichnet werden. Viele Kultureinrichtungen machen hier einen entscheidenden Fehler: Sie verwenden das generische Schema „Event“ für alles, von der Führung bis zur grossen Jahresausstellung.

Das ist problematisch, weil Google für spezifische Anwendungsfälle detailliertere Schemata anbietet, die zu reichhaltigeren Suchergebnissen (Rich Results) führen. Für eine Ausstellung ist der Typ „ExhibitionEvent“ die korrekte Wahl. Dieser Typ ermöglicht es, zusätzliche, für Museen relevante Informationen wie das ausgestellte Werk („workFeatured“) oder den Organisator klar zu definieren. Die Verwendung des richtigen Schemas erhöht die Chance, in einer prominenten Ausstellungs-Box mit Bildvorschau und direkter Verlinkung zu erscheinen, anstatt in der allgemeinen Veranstaltungsliste unterzugehen.

Die folgende Tabelle zeigt die entscheidenden Unterschiede und warum die Wahl des korrekten Schemas für Ihre digitale Strategie von zentraler Bedeutung ist, wie die offizielle Dokumentation von Schema.org unterstreicht.

Event vs. ExhibitionEvent: Die richtige Schema.org-Auszeichnung für Museen
Schema-Typ Verwendungszweck Beispiel-Properties Google-Darstellung
Event Allgemeine Veranstaltungen, Workshops, Führungen startDate, endDate, location, offers Standard Event-Box
ExhibitionEvent Ausstellungsveranstaltung, z. B. in einem Museum, einer Bibliothek, einem Archiv, auf einer Messe startDate, endDate, location, workFeatured, organizer Erweiterte Ausstellungs-Box mit Bildvorschau
Museum (+ event property) Dauerhafte Museumseinträge mit Veranstaltungskalender name, address, event (Array), touristType Knowledge Panel mit Veranstaltungsliste

Die Implementierung muss dabei keine grosse technische Hürde sein. Werkzeuge wie der „Structured Data Markup Helper“ von Google ermöglichen es auch Nicht-Technikern, den korrekten Code (im JSON-LD-Format) zu generieren und über den Google Tag Manager einzubinden. So umgehen Sie langwierige Prozesse mit der IT-Abteilung und können schnell auf neue Ausstellungen reagieren. Die Überprüfung mit dem „Rich Results Test Tool“ gibt Ihnen sofortiges Feedback über die korrekte Implementierung.

Wie bearbeiten Sie Wikipedia-Artikel über Ihr Haus, ohne wegen „Werbung“ gesperrt zu werden?

Der Versuch, den Wikipedia-Artikel über die eigene Institution zu „optimieren“, endet für viele Marketingverantwortliche frustrierend: Die Änderungen werden zurückgesetzt und der eigene Account wegen „Werbung“ oder „Interessenkonflikt“ gesperrt. Die Wikipedia-Community schützt rigoros ihren neutralen Standpunkt. Jeder Versuch, marketingsprachliche Formulierungen oder unzureichend belegte Informationen einzufügen, wird als Regelverstoss geahndet. Doch es gibt einen strategischen und legitimen Weg, Ihre Präsenz im Wikipedia-Universum zu stärken, ohne direkt in den Artikel einzugreifen.

Dieser Weg führt über Wikidata, die freie Wissensdatenbank, die hinter Wikipedia steht. Im Gegensatz zu den Fliesstext-Artikeln in Wikipedia besteht Wikidata aus strukturierten, maschinenlesbaren Daten. Hier können Sie einen detaillierten, neutralen und mit externen Quellen belegten Datensatz für Ihr Haus anlegen. Informationen wie Gründungsdatum, Architekt, Sammlungsschwerpunkte, offizielle Website und sogar Identifikatoren aus anderen Datenbanken werden hier zentral erfasst. Wie auch die aktuelle Museumsstatistik zeigt, hat die Digitalisierung in deutschen Museen stark zugenommen, und die Nutzung solcher Plattformen ist ein logischer nächster Schritt.

Wikidata als strategischer Umweg zur Wikipedia-Präsenz

Anstatt direkt Wikipedia-Artikel zu bearbeiten, können Museen detaillierte und neutrale Wikidata-Einträge mit verifizierten Quellen anlegen. Der grosse Vorteil: Viele Informationen aus den Wikidata-Einträgen, wie zum Beispiel das Gründungsdatum oder der Architekt, fliessen automatisch in die Infoboxen der entsprechenden Wikipedia-Artikel ein. Die Häufigkeit wiederkehrender konsistenter Daten über verschiedene vertrauenswürdige Quellen macht es Google leichter, Entitäten eindeutig zu identifizieren. So aktualisieren und bereichern Sie indirekt den Wikipedia-Artikel mit Fakten, stärken gleichzeitig Ihre Sichtbarkeit im Google Knowledge Graph und respektieren die Regeln der Community. Sie agieren nicht als Werbetreibender, sondern als Lieferant von verifizierbaren Fakten.

Der Fokus liegt auf der Bereitstellung von neutralen, belegbaren Fakten. Anstatt zu schreiben „unser Museum bietet ein unvergessliches Erlebnis“, tragen Sie in Wikidata ein: „Architekt: Max Mustermann (Quelle: offizielle Bauurkunde)“ oder „Anzahl der Sammlungsobjekte: 10.542 (Quelle: Jahresbericht 2023)“. Diese Vorgehensweise ist nicht nur regelkonform, sondern stärkt Ihre digitale Autorität an der Wurzel.

Wie reagieren Sie auf 1-Stern-Bewertungen, die nichts mit der Kunst zu tun haben?

Jeder kennt sie: die 1-Stern-Bewertung auf Google, die sich nicht über die Qualität der Ausstellung, sondern über zu hohe Parkgebühren, einen unfreundlichen Garderobenmitarbeiter oder das Fehlen von veganen Optionen im Museumscafé beschwert. Diese Bewertungen sind ärgerlich, weil sie die künstlerische Arbeit unfair entwerten. Der erste Impuls ist oft, sie zu ignorieren oder defensiv zu reagieren. Beides ist ein strategischer Fehler. Jede öffentliche Bewertung ist eine Chance, Ihre Professionalität und Serviceorientierung unter Beweis zu stellen.

Der Schlüssel liegt in einer schnellen, professionellen und deeskalierenden Reaktion. Antworten Sie nicht emotional, sondern strukturiert. 1. Danken Sie für das Feedback: Auch wenn es negativ ist, signalisieren Sie, dass Sie die Meinung des Besuchers wertschätzen. 2. Zeigen Sie Verständnis für die Frustration: „Wir verstehen, dass die Parkplatzsituation ärgerlich sein kann.“ 3. Trennen Sie das Problem von der Kunst: Leiten Sie die Kritik an die zuständige Stelle weiter und machen Sie dies transparent. „Wir haben Ihr Feedback bezüglich des Cafés an unseren Gastronomiepartner weitergeleitet.“ Dies zeigt, dass Sie handeln, entkräftet aber die Relevanz für die Gesamtbewertung des Museums. 4. Bieten Sie eine Lösung oder Perspektive: Erklären Sie kurz den Kontext (z.B. „Die Parkgebühren werden von der Stadt verwaltet…“) und laden Sie den Besucher ein, erneut zu kommen, um sich auf die Kunst zu konzentrieren.

Eine solche Antwort verwandelt eine negative Kritik in ein positives Signal für alle zukünftigen Besucher. Sie sehen, dass das Management Feedback ernst nimmt und lösungsorientiert arbeitet. Es geht nicht darum, den Kritiker umzustimmen, sondern darum, dem stillen Mitleser – Ihrem potenziellen nächsten Besucher – zu zeigen, dass Ihr Haus professionell geführt wird. Wie Experten betonen, sollten Sie nicht nur auf Bewertungen hoffen, sondern aktiv darum bitten und auf jede einzelne so reagieren, als ob Ihr nächster Kunde zusieht. Eine prompte und durchdachte Antwort kann den negativen Effekt einer einzelnen Bewertung neutralisieren und sogar in einen Vertrauensbeweis umwandeln.

Ist Ihre Website bereit für das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz 2025?

Ab dem 28. Juni 2025 tritt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Es verpflichtet viele Unternehmen, und damit auch Kultureinrichtungen, die digitale Produkte und Dienstleistungen anbieten, diese barrierefrei zu gestalten. Das betrifft Ihre Website, Ihren Online-Ticketshop und Ihre mobilen Apps. Eine Nichtbeachtung kann zu Bussgeldern und, was noch wichtiger ist, zum Ausschluss eines erheblichen Teils Ihres potenziellen Publikums führen. Digitale Barrierefreiheit ist keine technische Kür mehr, sondern eine rechtliche und soziale Pflicht.

Für Kulturinstitutionen bedeutet dies mehr als nur die Einhaltung technischer Mindeststandards. Es geht darum, den Zugang zur Kunst und Kultur für alle Menschen zu ermöglichen. Dies spiegelt sich in spezifischen Anforderungen wider, die über allgemeine WCAG-Richtlinien hinausgehen. Denken Sie an präzise Bildbeschreibungen (Alt-Texte) für Kunstwerke, die nicht nur den Titel, sondern auch das Dargestellte beschreiben. Bieten Sie Transkripte für Audioguides und Untertitel für alle Videos an. Stellen Sie sicher, dass Ihr Online-Ticketing vollständig per Tastatur bedienbar ist. Die Relevanz dieser Anpassungen wird durch den Fakt unterstrichen, dass laut dem Digital-Index aus dem Jahr 2024 der Digitalisierungsgrad der deutschen Gesellschaft bei 58 von 100 möglichen Punkten liegt – es gibt also noch erhebliches Potenzial, digitale Angebote zugänglicher zu machen.

Die Vorbereitung auf das BFSG ist eine strategische Notwendigkeit. Eine barrierefreie Website verbessert nicht nur die User Experience für Menschen mit Behinderungen, sondern optimiert auch Ihre Seite für Suchmaschinen, da viele Kriterien der Barrierefreiheit (klare Struktur, Alt-Texte) sich mit SEO-Best-Practices überschneiden. Nutzen Sie die verbleibende Zeit, um Ihre digitalen Angebote systematisch zu prüfen.

Ihre Audit-Checkliste für das BFSG 2025

  1. Visuelle Inhalte prüfen: Sind alle Bilder von Kunstwerken mit präzisen, beschreibenden Alt-Texten versehen?
  2. Audiovisuelle Medien inventarisieren: Existieren für alle Audio-Guides und Video-Inhalte vollständige Transkripte und Untertitel?
  3. Digitale Angebote testen: Bieten Sie digitale Touren in Gebärdensprache, Leichter Sprache und für Seheingeschränkte an?
  4. Interaktive Elemente auditieren: Ist der gesamte Online-Ticketing-Prozess, inklusive Kalenderauswahl und Bezahlung, ohne Maus nur per Tastatur navigierbar und bedienbar?
  5. Design-Konsistenz sicherstellen: Wird ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für Text und Hintergrund durchgängig eingehalten und sind Fokus-Indikatoren bei der Navigation klar erkennbar?

Der Fehler bei der Plattformwahl, der Ihre Reichweite künstlich begrenzt

Viele Kulturinstitutionen verfolgen eine Giesskannen-Strategie in den sozialen Medien: Derselbe Inhalt wird auf Facebook, Instagram und vielleicht noch Twitter geteilt, in der Hoffnung, möglichst viele Menschen zu erreichen. Diese Taktik ignoriert eine grundlegende Wahrheit des digitalen Marketings: Jede Plattform hat ihre eigene Demografie, ihre eigene Sprache und ihre eigenen Content-Formate. Wer versucht, alle mit derselben Botschaft zu erreichen, erreicht am Ende niemanden richtig. Die Begrenzung der Reichweite ist hierbei oft hausgemacht.

Eine strategische Plattformwahl bedeutet, die eigenen Zielgruppen zu definieren und dann die Kanäle zu wählen, auf denen sich diese Zielgruppen aufhalten und für spezifische Inhalte empfänglich sind. Ein „Behind the Scenes“-Video aus der Restaurierungswerkstatt mag auf Instagram Stories hervorragend funktionieren, um ein jüngeres, kunstinteressiertes Publikum zu fesseln. Eine Podiumsdiskussion zur historischen Bedeutung einer Epoche findet als Livestream oder dauerhaftes Video auf Facebook und YouTube eher Anklang bei einem älteren, bildungsorientierten Publikum. Das Jüdische Museum Frankfurt zeigt beispielhaft, wie eine solche differenzierte Strategie funktioniert: Videos und Livestreams sind auf dem YouTube-Kanal abrufbar, während auf Instagram Objektgeschichten aus der Sammlung ein internationales Publikum ansprechen.

Die folgende Matrix bietet einen Überblick, welche Plattform für welche Zielgruppe in Deutschland besonders relevant ist und welche Content-Typen dort am besten funktionieren.

Plattform-Zielgruppen-Matrix für deutsche Kulturinstitutionen
Plattform Primäre Zielgruppe Content-Typ Besonderheit Deutschland
Facebook Generation 50+ Live-Videos, Veranstaltungen Bei den meisten im deutschsprachigen Raum etabliert
Instagram 25-45 Jahre, Kunstinteressierte Visuelle Stories, Behind-the-Scenes Hohe Engagement-Rate bei Kulturthemen
YouTube Alle Altersgruppen Livestreaming, dauerhafte Videos Zweithöchste Nutzung nach Fernsehen
TikTok 16-24 Jahre Kurze, kreative Clips Noch unterschätzt im Kulturbereich
LinkedIn B2B, Fachpublikum Fachbeiträge, Networking Wichtig für Sponsoren-Akquise

Anstatt Ressourcen breit zu streuen, konzentrieren Sie sich auf zwei bis drei Kernplattformen, die Sie exzellent bespielen. Produzieren Sie massgeschneiderten Content, der die Stärken des jeweiligen Kanals nutzt. Eine solche Fokussierung führt zu höherem Engagement, einer loyaleren Community und letztendlich zu einer effektiveren Nutzung Ihres Marketingbudgets.

Wie nutzen Sie „Google My Business“, damit Touristen Ihr Konzert finden?

Für Touristen, die eine Stadt besuchen, ist die Google-Suche und Google Maps das wichtigste Werkzeug zur Orientierung und Entdeckung. Wenn ein Tourist nach „Konzert heute Abend“ oder „Museum in der Nähe“ sucht, ist Ihr Google My Business (GMB) Profil Ihr wichtigster Berührungspunkt. Viele Kultureinrichtungen behandeln ihr GMB-Profil jedoch stiefmütterlich: Die Basisinformationen sind eingetragen, aber das enorme Potenzial der Plattform bleibt ungenutzt. Angesichts von rund 6.800 Museen in Deutschland ist ein optimiertes Profil entscheidend, um aus der Masse hervorzustechen.

Ein optimiertes GMB-Profil ist ein dynamisches Schaufenster für Ihre aktuellen Angebote. Es geht weit über die Angabe von Adresse und Öffnungszeiten hinaus. Nutzen Sie die verschiedenen Funktionen strategisch, um relevante und aktuelle Informationen zu liefern:

  • Google Posts: Verwenden Sie die „Veranstaltung“-Funktion, um Sonderausstellungen, Konzerte oder Führungen mit Start- und Enddatum anzukündigen. Diese Posts erscheinen direkt in Ihrem Profil und in den lokalen Suchergebnissen.
  • Q&A-Funktion: Seien Sie proaktiv. Stellen Sie selbst die häufigsten Fragen (Wo kann ich parken? Ist der Eintritt für Kinder frei? Gibt es eine Garderobe?) und beantworten Sie sie präzise. So nehmen Sie potenziellen Besuchern Unsicherheiten.
  • Videos und Fotos: Laden Sie regelmässig hochwertige Fotos der aktuellen Ausstellung, der Räumlichkeiten und kurze Videos (max. 30 Sekunden) hoch. Ein kurzer virtueller Rundgang oder ein Statement eines Künstlers kann den entscheidenden Anreiz für einen Besuch geben.
  • Aktualität: Pflegen Sie akribisch die Sonderöffnungszeiten für Feiertage oder Veranstaltungen. Nichts ist frustrierender für einen Besucher, als vor verschlossenen Türen zu stehen, weil die Online-Informationen veraltet waren.

Die Verifizierung Ihres Profils ist der erste Schritt und kann laut Google über verschiedene Wege wie einen Live-Anruf oder ein kurzes Video erfolgen. Sobald Ihr Profil verifiziert ist, behandeln Sie es wie einen Ihrer wichtigsten Marketingkanäle. Ein gut gepflegtes GMB-Profil ist der direkteste und kostengünstigste Weg, um kaufkräftige Touristen und spontane lokale Besucher auf Ihr Angebot aufmerksam zu machen und sie von der Strasse in Ihr Haus zu lenken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Technische SEO ist entscheidend: Die korrekte Nutzung von strukturierten Daten (Schema.org) für Veranstaltungen ist wichtiger als die Frequenz von Social-Media-Posts.
  • Indirekte Strategien sind wirkungsvoll: Die Pflege neutraler Fakten in Wikidata stärkt Ihre Autorität bei Google und Wikipedia nachhaltiger als direkte Bearbeitungsversuche.
  • Barrierefreiheit ist Pflicht: Die Anpassung Ihrer digitalen Angebote an das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz 2025 ist eine rechtliche Notwendigkeit und verbessert gleichzeitig die SEO.

Wie produzieren Sie einen Museumspodcast, der nicht wie eine auditive Pressemitteilung klingt?

Ein Museumspodcast ist eine hervorragende Möglichkeit, tiefere Einblicke zu gewähren und eine loyale Hörerschaft aufzubauen. Doch viele dieser Podcasts scheitern an einem entscheidenden Punkt: Sie klingen wie eine vertonte Pressemitteilung oder ein langweiliger Ausstellungskatalog. Ein Interview mit dem Kurator, in dem nur Fakten heruntergebetet werden, oder eine rein deskriptive Beschreibung von Objekten nutzt das Potenzial des Mediums nicht aus. Ein guter Podcast lebt von Storytelling, Emotion und einer klaren Dramaturgie.

Brechen Sie mit den erwarteten Formaten. Anstatt einer chronologischen Führung, erzählen Sie die Geschichte *eines einzigen Objekts* aus verschiedenen Perspektiven: die des Künstlers, die des Sammlers, die des Restaurators. Anstatt eines Interviews, produzieren Sie ein kurzes Mini-Hörspiel, das eine historische Szene zum Leben erweckt, die mit Ihrer Sammlung in Verbindung steht. Nutzen Sie die Macht des Klangs: Integrieren Sie Sound-Rätsel aus Ihrer Sammlung oder lassen Sie Geräuschkulissen vergangener Epochen entstehen. Das Ziel ist es, den Hörer nicht nur zu informieren, sondern ihn zu fesseln und eine emotionale Verbindung herzustellen.

Das British Museum zeigt mit seinen Webserien wie „Curator’s Corner“, wie erfolgreich solche Formate sein können, indem sie die Menschen hinter den Objekten in den Mittelpunkt stellen und so über 1,5 Millionen Follower an sich binden. Sie müssen dafür kein riesiges Budget haben. Oft reicht ein gutes Mikrofon und eine kreative Idee. Denken Sie auch über Kooperationen nach. Kulturredaktionen öffentlich-rechtlicher Sender wie WDR 3, Bayern 2 oder Deutschlandfunk Kultur sind oft auf der Suche nach spannenden Inhalten. Ein gut vorbereiteter Pitch für eine gemeinsame Produktion kann Ihnen Zugang zu professioneller Technik und einer grösseren Reichweite verschaffen. Bieten Sie eine Cross-Promotion an, bei der beide Partner profitieren.

Der entscheidende Gedanke ist: Ein Podcast ist kein Informationskanal, sondern ein Unterhaltungsmedium. Er muss sich seinen Platz im Alltag der Hörer verdienen. Fragen Sie sich bei jeder Episode: „Warum sollte jemand diese 15 Minuten seiner Zeit investieren?“ Die Antwort sollte immer eine fesselnde Geschichte oder eine neue, überraschende Perspektive sein – niemals nur eine Liste von Fakten.

Beginnen Sie noch heute damit, diese technischen und strategischen Hebel zu nutzen, um die algorithmische Autorität Ihres Hauses aufzubauen. Ein systematisches Vorgehen bei der Datenstrukturierung wird Ihnen langfristig mehr qualifizierte Besucher bringen als jede kurzfristige Werbekampagne.

Geschrieben von Karim Al-Fayed, Stratege für Digitale Kultur und Audience Development. Experte für VR/AR, Streaming und digitale Erlösmodelle. 10 Jahre Erfahrung in der digitalen Transformation von Kultureinrichtungen.