
Eine wertstabile Kunstsammlung unter 5.000 € ist kein Glücksspiel, sondern das Ergebnis einer disziplinierten Investmentstrategie.
- Der Schlüssel liegt darin, vielversprechende Künstler zu identifizieren, bevor sie vom Markt etabliert werden – das „Arbitrage-Fenster“ bei Absolventenausstellungen.
- Ein rigoroses Management struktureller Risiken wie Fälschungen, unklare Provenienz und fehlender Versicherungsschutz ist wichtiger als der persönliche Geschmack.
Empfehlung: Behandeln Sie jeden Kauf wie eine finanzielle Due Diligence. Die Verifizierung des Assets und das Planen eines potenziellen Exit-Szenarios sind von Anfang an entscheidend.
Der Wunsch, Kunst zu besitzen, die nicht nur die eigenen vier Wände bereichert, sondern auch im Wert stabil bleibt oder sogar steigt, ist für viele ein erstrebenswertes Ziel. Doch gerade für Einsteiger mit einem begrenzten Budget von unter 5.000 € scheint der Kunstmarkt ein undurchdringliches Feld voller finanzieller Fallstricke zu sein. Die gängigen Ratschläge, man solle einfach kaufen, was einem gefällt, greifen hier zu kurz. Eine solche Herangehensweise ist eher emotionales Konsumverhalten als eine fundierte Investmentstrategie und lässt die entscheidende Komponente – die Wertstabilität – ausser Acht.
Doch was, wenn der Aufbau einer solchen Sammlung weniger mit Glück und Geschmack zu tun hat, als vielmehr mit einer disziplinierten, fast unternehmerischen Methodik? Der wahre Hebel für den Erfolg liegt nicht darin, auf bereits etablierte Namen zu setzen, die für dieses Budget unerreichbar sind. Er liegt in der Fähigkeit, unterbewertete Talente an der Quelle aufzuspüren und gleichzeitig die strukturellen Risiken des Marktes – von Fälschungen über rechtliche Fallstricke wie NS-Raubkunst bis hin zu unzureichendem Versicherungsschutz – systematisch zu minimieren. Es geht darum, ein klares Arbitrage-Fenster zu nutzen, das sich kurz vor dem Eintritt eines Künstlers in den kommerziellen Galeriebetrieb öffnet.
Dieser Leitfaden ist keine romantische Ode an die Kunst, sondern eine direkte, finanzorientierte Anleitung für den jungen Sammler. Er zeigt Ihnen, wie Sie mit einem Budget von unter 5.000 € eine strategische Primär-Akquise durchführen, Ihre Assets verifizieren und absichern und ein klares Exit-Szenario planen. Wir behandeln den Kunstkauf als das, was er in diesem Kontext sein sollte: eine ernsthafte Anlageklasse.
Die folgende Übersicht strukturiert die entscheidenden strategischen Schritte und Risikofaktoren, die Sie auf dem Weg zu Ihrer ersten wertstabilen Kunstsammlung meistern müssen. Jeder Punkt ist ein wesentlicher Baustein Ihrer Anlagestrategie im Kunstmarkt.
Inhaltsverzeichnis: Ihr strategischer Leitfaden zum Kunstinvestment
- Warum sollten Sie Absolventenausstellungen an Kunsthochschulen besuchen, bevor Galerien zugreifen?
- Privatwohnung oder Zollfreilager: Wo ist Ihre Sammlung steuerlich und physisch am sichersten?
- Das fehlende Zertifikat: Wie vermeiden Sie den Kauf von Fälschungen auf dem Sekundärmarkt?
- Kunstkauf auf Raten: Welche Galerien bieten Finanzierungsmodelle für Einsteiger?
- Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Werk eines „Hot Artists“ wieder abzustossen?
- Wie recherchieren Sie effektiv nach NS-Raubgut, bevor Sie ein Werk ankaufen?
- Was muss im Smart Contract stehen, damit Sie bei Weiterverkäufen automatisch verdienen?
- Was tun, wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Exponat in Ihrer Sammlung Raubkunst ist?
Warum sollten Sie Absolventenausstellungen an Kunsthochschulen besuchen, bevor Galerien zugreifen?
Der strategische Einstieg in den Kunstmarkt mit begrenztem Budget erfordert, dort zu suchen, wo Wertpotenzial noch nicht eingepreist ist. Galerien und Auktionshäuser fungieren als Preis-Multiplikatoren. Die logische Konsequenz für den Smart Collector ist daher die Primär-Akquise direkt an der Quelle: den Kunsthochschulen. Die jährlichen „Rundgänge“ oder Absolventenausstellungen sind das entscheidende Arbitrage-Fenster. Hier präsentieren aufstrebende Talente ihre Werke, oft zum ersten und letzten Mal zu Materialkosten-nahen Preisen, bevor sie von Galeristen entdeckt werden und ihre Preise um den Faktor 5 bis 10 steigen.
In Deutschland, wo laut einer Erhebung über 7,5 Millionen Personen besonderes Interesse an Kunst zeigen, ist die Konkurrenz gross, aber das Angebot an Talenten ebenso. Ihr Ziel ist es nicht, wahllos zu kaufen, sondern systematisch zu scouten. Besuchen Sie die Ateliers, sprechen Sie mit den Künstlern über ihr Konzept, ihre Technik und ihre Ambitionen. Ein überzeugendes künstlerisches Konzept und eine professionelle Arbeitseinstellung sind oft bessere Indikatoren für zukünftigen Erfolg als ein einzelnes „schönes“ Bild.

Diese direkte Interaktion ermöglicht eine erste Form der Asset-Verifizierung: Sie lernen den Schöpfer persönlich kennen. Deutsche Kunsthochschulen wie die UdK Berlin, die HGB Leipzig oder die Städelschule in Frankfurt haben feste Termine für ihre Jahresausstellungen, bei denen oft auch direkt verkauft wird. Diese Termine sind für einen strategischen Sammler Pflicht. Es ist die einzige Gelegenheit, das Angebot zu sichten, bevor der Markt seine Filter ansetzt und die Preise definiert.
Privatwohnung oder Zollfreilager: Wo ist Ihre Sammlung steuerlich und physisch am sichersten?
Ein Kunstwerk ist ein physisches Asset und unterliegt somit realen Risiken wie Beschädigung, Diebstahl oder unsachgemässer Lagerung. Die Entscheidung über den Lagerort ist daher keine Frage der Ästhetik, sondern des Risikomanagements. Für eine Sammlung im Wert von unter 5.000 € ist ein teures Zollfreilager in der Regel überdimensioniert und unnötig. Diese sind für Multi-Millionen-Sammlungen konzipiert, um primär Einfuhrumsatzsteuer und Zoll zu umgehen – ein Aspekt, der bei Ihrem Budget nicht relevant ist. Der Fokus liegt stattdessen auf der physischen Sicherheit und dem korrekten Versicherungsschutz in Ihren eigenen Räumlichkeiten.
Die Standard-Hausratversicherung bietet oft nur unzureichenden Schutz. Die Deckungssummen für Kunst sind meist auf wenige tausend Euro begrenzt und decken spezifische Risiken wie Transport- oder Restaurationsschäden nicht ab. Sobald der Gesamtwert Ihrer Sammlung 5.000 € übersteigt, ist eine spezialisierte Kunstversicherung unerlässlich. Diese bietet nicht nur eine Allgefahrendeckung, sondern auch wertvolle Zusatzleistungen wie Notfallpläne oder Zugang zu Expertennetzwerken. Renommierte Anbieter im deutschen Markt haben längst erkannt, dass auch Sammler mit kleinerem Budget professionellen Schutz benötigen; so gibt es vermehrt Angebote für Sammlungen unter 5.000 Euro.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigen Versicherungsoptionen in Deutschland und verdeutlicht, ab welchem Punkt ein Wechsel von der Hausrat- zur spezialisierten Kunstversicherung strategisch sinnvoll ist.
| Versicherungsart | Deckungssumme | Kosten/Jahr | Empfohlen ab |
|---|---|---|---|
| Hausratversicherung | bis 3.000€ für Kunst | inkludiert | Einzelwerke unter 1.000€ |
| Kunstversicherung (AXA Art) | ab 10.000€ | ab 150€/Jahr | Sammlung über 10.000€ |
| ARTE Generali | flexibel | 0,3-0,5% des Wertes | ab 5.000€ Gesamtwert |
Die Wahl der richtigen Versicherung ist ein aktiver Schritt zur Wertsicherung Ihres Investments. Es ist ein kalkulierter Kostenpunkt, der im schlimmsten Fall den Totalverlust Ihres Kapitals verhindert.
Das fehlende Zertifikat: Wie vermeiden Sie den Kauf von Fälschungen auf dem Sekundärmarkt?
Während die Primär-Akquise bei Absolventen das Risiko von Fälschungen minimiert, stellt der Sekundärmarkt eine erhebliche Gefahr dar. Hier ist ein fehlendes oder mangelhaftes Echtheitszertifikat (Certificate of Authenticity, CoA) das grösste Warnsignal. Ein Kauf ohne lückenlose Asset-Verifizierung ist kein Investment, sondern ein Glücksspiel. Das CoA ist der Pass des Kunstwerks; es dokumentiert Titel, Jahr, Technik, Masse und die Unterschrift des Künstlers. Ohne dieses Dokument ist ein späterer, wertstabiler Wiederverkauf nahezu unmöglich.
Die Provenienz, also die lückenlose Besitzgeschichte eines Werkes, ist ebenso entscheidend. Jeder Wechsel des Eigentümers sollte durch Kaufbelege, Auktionskatalogeinträge oder Galerienrechnungen dokumentiert sein. Misstrauen ist geboten bei vagen Angaben wie „aus Privatbesitz“ ohne weitere Details, insbesondere bei Werken, die vor 1945 entstanden sind. Eine weitere sichere Quelle im Einstiegssegment sind Jahresgaben von deutschen Kunstvereinen. Hierbei handelt es sich um exklusive Editionen oder Unikate, deren Authentizität garantiert ist und die oft weit unter Galeriepreisen angeboten werden.
Fallstudie: Kuratierte Plattformen als sichere Quelle
Plattformen wie der Studenten-Kunstmarkt bieten eine kuratierte und sichere Alternative. Mit über 265 verifizierten Studierenden von renommierten deutschen Kunsthochschulen und mehr als 2.000 geprüften Werken wird hier die Brücke zwischen Talent und Sammler geschlagen. Entscheidend ist das Geschäftsmodell: Jedes verkaufte Werk wird direkt vom Künstler mit einem Echtheitszertifikat versandt. Dies eliminiert das Fälschungsrisiko des anonymen Sekundärmarktes und bietet dem Einsteiger eine transparente und vertrauenswürdige Akquise-Möglichkeit.
Die Prüfung der Authentizität ist ein systematischer Prozess, kein Bauchgefühl. Die folgende Checkliste fasst die wesentlichen Schritte der Due Diligence zusammen, die vor jedem Kauf auf dem Sekundärmarkt durchzuführen sind.
Ihre Checkliste zur Verifizierung: Authentizität und Provenienz
- Dokumentation anfordern: Bestehen Sie immer auf einem vom Künstler oder der verkaufenden Galerie ausgestellten Echtheitszertifikat.
- Provenienz prüfen: Fordern Sie eine lückenlose Kette von Kaufbelegen und Besitznachweisen an. Jede Lücke ist ein Warnsignal.
- Referenzen abgleichen: Suchen Sie nach Erwähnungen des Werks in Ausstellungskatalogen, Werkverzeichnissen oder der Fachpresse.
- Sichere Quellen nutzen: Bevorzugen Sie kuratierte Plattformen (z.B. artflash), Jahresgaben von Kunstvereinen oder Käufe direkt bei etablierten Galerien.
- Warnsignale erkennen: Seien Sie alarmiert bei fehlender Dokumentation, unrealistisch niedrigen Preisen, anonymen Verkäufern oder dem Drängen auf eine schnelle, unüberlegte Kaufentscheidung.
Kunstkauf auf Raten: Welche Galerien bieten Finanzierungsmodelle für Einsteiger?
Die Liquidität ist oft die grösste Hürde für junge Sammler. Ein vielversprechendes Werk für 3.000 € übersteigt möglicherweise das sofort verfügbare Budget, obwohl es strategisch ein sinnvoller Kauf wäre. Hier kommen Finanzierungsmodelle ins Spiel. Entgegen der Annahme, dass der Kunstmarkt nur Vorkasse akzeptiert, bieten seriöse Galerien zunehmend flexible Lösungen an, um eine neue, jüngere Käuferschaft an sich zu binden. Ein Ratenkauf oder eine Finanzierung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein legitimes Finanzinstrument zur Steuerung des Cashflows.
In Deutschland gibt es keine standardisierte „Kunst-Finanzierung“ wie einen Autokredit. Die Modelle sind meist individuelle Vereinbarungen mit der Galerie. Üblich sind zinslose Ratenzahlungen über einen Zeitraum von 6 bis 24 Monaten. Das Kunstwerk bleibt dabei in der Regel bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum der Galerie. Einige grössere Galerien kooperieren auch mit spezialisierten Banken, um Leasing- oder Finanzierungsmodelle anzubieten, was jedoch meist erst bei höheren Summen relevant wird. Der Schlüssel ist, das Gespräch proaktiv zu suchen. Fragen Sie direkt nach den Möglichkeiten. Eine Galerie, die an einer langfristigen Beziehung zu Ihnen als Sammler interessiert ist, wird offen für solche Verhandlungen sein.

Plattformen wie „artmoney“ haben sich ebenfalls etabliert und bieten zinslose Kredite für den Kunstkauf bei Partnergalerien an. Dies kann eine hervorragende Möglichkeit sein, die Anschaffungskosten zu strecken und dennoch sofort in ein Werk investieren zu können. Wichtig ist, die Vertragsbedingungen genau zu prüfen: Gibt es versteckte Gebühren? Was passiert bei einem Zahlungsausfall? Eine transparente und schriftliche Vereinbarung ist die Grundlage für einen sicheren Ratenkauf. Nutzen Sie diese Instrumente, um Ihre Kaufkraft zu hebeln, aber kalkulieren Sie Ihre finanzielle Belastbarkeit realistisch.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Werk eines „Hot Artists“ wieder abzustossen?
Der Kauf ist nur die eine Hälfte der Investmentgleichung. Die andere ist das Exit-Szenario. Ein Werk zu halten, dessen Wert stagniert oder fällt, bindet Kapital, das anderswo besser investiert wäre. Der richtige Zeitpunkt für den Verkauf eines Werks von einem „Hot Artist“ – also einem Künstler, dessen Karriere an Fahrt aufnimmt – ist eine strategische Entscheidung, die von Marktsignalen und nicht von Emotionen geleitet werden sollte.
Ein primäres Signal ist die Aufnahme des Künstlers in das Programm einer international agierenden „Blue Chip“-Galerie. Dies führt fast immer zu einem sprunghaften Preisanstieg auf dem Primärmarkt, der sich mit Verzögerung auch auf den Sekundärmarkt auswirkt. Ein weiteres Signal ist die erste institutionelle Einzelausstellung in einem renommierten Museum oder einer Kunsthalle. Dies ist eine offizielle Anerkennung der künstlerischen Relevanz und steigert die Nachfrage. Der ideale Verkaufszeitpunkt liegt oft kurz nach solchen Ereignissen, wenn die mediale Aufmerksamkeit am grössten ist und der Markt euphorisch reagiert. Zu langes Warten birgt das Risiko, dass der Hype abflaut.
Fallstudie: Deutsche Auktionshäuser als Exit-Kanal
Für den Wiederverkauf sind spezialisierte Auktionshäuser in Deutschland der transparenteste und liquideste Kanal. Häuser wie Ketterer Kunst in München oder Grisebach in Berlin sind Marktführer und haben sich auf bestimmte Segmente spezialisiert. Wie eine Übersicht renommierter Häuser zeigt, ist beispielsweise Grisebach führend für deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts, während Van Ham in Köln durch seine hohe Frequenz an internationalen Auktionen besticht. Diese Häuser bieten spezialisierte Auktionen für zeitgenössische Kunst an, erreichen eine globale Käuferschaft und sorgen durch transparente Schätzpreise und Kommissionsstrukturen für einen professionellen Verkaufsprozess. Die Einlieferung eines Werkes in die passende Auktion maximiert die Verkaufschancen und den potenziellen Erlös.
Überwachen Sie die Auktionsergebnisse des Künstlers auf Plattformen wie Artnet oder Artprice. Ein stetiger Anstieg der Preise ist ein gutes Zeichen. Wenn jedoch mehrere Werke hintereinander unter dem Schätzwert bleiben oder gar nicht verkauft werden („bought in“), ist dies ein starkes Warnsignal, dass der Markt gesättigt sein könnte. In diesem Fall kann ein schneller Verkauf die bessere Option sein, um Gewinne zu sichern, bevor eine stärkere Korrektur einsetzt.
Wie recherchieren Sie effektiv nach NS-Raubgut, bevor Sie ein Werk ankaufen?
Ein strukturelles Risiko, das besonders den deutschen und europäischen Kunstmarkt betrifft, ist die Thematik der NS-Raubkunst. Der Ankauf eines Werkes, das zwischen 1933 und 1945 jüdischen Sammlern entzogen wurde, stellt nicht nur eine erhebliche moralische Belastung dar, sondern birgt auch das Risiko des Totalverlusts. Ein späterer Restitutionsanspruch der rechtmässigen Erben führt zur entschädigungslosen Rückgabe des Werkes. Eine sorgfältige Provenienzforschung ist daher vor jedem Kauf eines Werkes mit Entstehungsdatum vor 1945 absolute Pflicht.
Das zentrale Werkzeug für diese Recherche in Deutschland ist die öffentlich zugängliche Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste: Lostart.de. Diese Datenbank verzeichnet Kulturgüter, die infolge der nationalsozialistischen Herrschaft oder der Kriegsereignisse verbracht, verlagert oder insbesondere jüdischen Eigentümern entzogen wurden. Die Recherche ist ein klar definierter Prozess:
- Geben Sie den Namen des Künstlers und den Titel des Werkes in die Suchmaske der Datenbank ein.
- Prüfen Sie die Trefferliste auf Übereinstimmungen mit den Daten Ihres potenziellen Ankaufs (Masse, Technik, Motive).
- Achten Sie besonders auf die dokumentierte Provenienz. Eine Lücke in der Besitzgeschichte zwischen 1933 und 1945 ist das grösste Warnsignal. Ein Werk, das in diesem Zeitraum den Besitzer gewechselt hat, ohne dass der Vorgang lückenlos und unbedenklich dokumentiert ist, sollte nicht erworben werden.
- Ziehen Sie bei Unsicherheiten einen unabhängigen Provenienzforscher oder Kunstrechtsanwalt hinzu. Die Kosten hierfür sind gering im Vergleich zum potenziellen Verlust.
Diese Due Diligence ist keine optionale Fleissaufgabe, sondern ein fundamentaler Bestandteil der Asset-Verifizierung. Nach den Washingtoner Prinzipien, zu denen sich Deutschland bekannt hat, besteht eine moralische Verpflichtung zur aktiven Forschung, die auch für private Sammler gilt. Ein Verkäufer, der bei dieser Recherche nicht kooperiert oder unvollständige Informationen liefert, ist als unseriös einzustufen.
Was muss im Smart Contract stehen, damit Sie bei Weiterverkäufen automatisch verdienen?
Die kurze und direkte Antwort für den Sammler ist: nichts. Die Vorstellung, als Sammler durch einen Smart Contract automatisch an jedem zukünftigen Weiterverkauf eines physischen Kunstwerks mitzuverdienen, ist ein weit verbreitetes Missverständnis, das aus der Welt der NFTs (Non-Fungible Tokens) stammt. Im traditionellen, physischen Kunstmarkt existiert ein solches Recht für den Sammler nicht. Das deutsche Folgerecht (§ 26 UrhG) sichert ausschliesslich dem Künstler (oder seinen Erben) eine prozentuale Beteiligung an Wiederverkäufen zu, die über den professionellen Kunsthandel (Galerien, Auktionshäuser) abgewickelt werden. Als Sammler profitieren Sie nur einmal: beim direkten Verkauf Ihres Werkes.
Smart Contracts und die Blockchain-Technologie kommen derzeit vor allem im Bereich der digitalen Kunst (NFTs) zum Einsatz. Hier kann im Code des Tokens festgelegt werden, dass bei jedem Weiterverkauf ein bestimmter Prozentsatz des Verkaufspreises automatisch an die Wallet des ursprünglichen Künstlers fliesst. Für den physischen Kunstmarkt im Einsteigersegment ist dies jedoch noch weitgehend Zukunftsmusik. Sogenannte „digitale Zwillinge“, also Blockchain-basierte Echtheitszertifikate, könnten die Provenienzverfolgung revolutionieren, sind aber noch nicht marktüblich und mit hohen Kosten verbunden.
Der reale Kunstmarkt sind sie nicht. Die sind quasi ein former step to a reality oder Praktikum, damit die Studierenden sich eine kleine Ahnung von Verpackung, Kommunikation, Transport, Steuer und Preis beibringen können.
– Kunstmarktexperte, Monopol Magazin über Online-Plattformen
Diese kritische Einschätzung verdeutlicht die aktuelle Kluft zwischen dem Hype um digitale Lösungen und der Realität des physischen Kunsthandels. Für Sie als Sammler unter 5.000 € ist die Technologie der Smart Contracts derzeit nicht relevant für die Wertsteigerung. Ihre Energie sollte sich auf die Fundamentaldaten konzentrieren: die Qualität des Werkes, die Karriereentwicklung des Künstlers und eine saubere, traditionell dokumentierte Provenienz. Die Spekulation auf technologische Beteiligungsmodelle ist für dieses Marktsegment keine valide Strategie.
Das Wichtigste in Kürze
- Strategie vor Geschmack: Eine wertstabile Sammlung ist das Ergebnis disziplinierter Analyse und Risikomanagements, nicht zufälliger Käufe.
- Quelle vor Markt: Der grösste Werthebel liegt im Aufspüren von Talenten an Kunsthochschulen, bevor Galerien die Preise definieren (Arbitrage-Fenster).
- Due Diligence ist alles: Eine rigorose Prüfung von Echtheitszertifikat, Provenienz (insb. NS-Raubkunst) und Versicherungsschutz ist nicht verhandelbar.
Was tun, wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Exponat in Ihrer Sammlung Raubkunst ist?
Der Verdacht, unwissentlich ein Werk mit problematischer Provenienz erworben zu haben, ist für jeden Sammler eine beunruhigende Situation. In diesem Moment sind Panik und überstürzte Handlungen wie ein heimlicher Verkauf die schlechtesten Ratgeber. Ein solches Vorgehen kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen und den moralischen Schaden vertiefen. Die richtige Reaktion ist ein ruhiger, transparenter und strukturierter Prozess, für den es in Deutschland klare Anlaufstellen gibt.
Der erste und wichtigste Schritt ist die Kontaktaufnahme mit dem speziell eingerichteten Help Desk des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Diese Beratung ist vertraulich und dient dazu, Privatsammlern eine erste Einschätzung und klare Handlungsempfehlungen zu geben, ohne dass sofort rechtliche Konsequenzen zu befürchten sind. Ziel ist es, im Sinne der Washingtoner Prinzipien eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden.
Praxisbeispiel: Der Help Desk für Privatsammler
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste bietet diesen spezialisierten Service an, um eine Eskalation zu vermeiden. Die Berater helfen dabei, die vorhandenen Dokumente zu sichten und den Verdacht zu erhärten oder zu entkräften. Bestätigt sich der Verdacht, werden gemeinsam die nächsten Schritte erarbeitet. Die angestrebten „gerechten und fairen Lösungen“ sind vielfältig: Sie können von einer vollständigen Restitution an die Erben der ursprünglichen Besitzer, über eine finanzielle Entschädigung oder den gemeinsamen Verkauf bis hin zu einer Schenkung an ein Museum reichen, das die Geschichte des Werkes aufarbeitet.
Parallel sollten Sie alle verfügbaren Dokumente zur Provenienz des Werkes sammeln und, falls sich der Verdacht erhärtet, einen auf Kunstrecht spezialisierten Anwalt konsultieren. Die proaktive und transparente Kommunikation mit potenziellen Anspruchstellern oder deren Vertretern ist der Schlüssel, um zu einer Lösung zu gelangen, die sowohl der historischen Verantwortung als auch Ihrer rechtlichen Position gerecht wird. Verantwortungsvolles Sammlertum endet nicht mit dem Kauf, sondern schliesst den Umgang mit der Geschichte des Objekts mit ein.
Ein strategischer und verantwortungsvoller Aufbau Ihrer Sammlung beginnt mit dem ersten Schritt. Beginnen Sie noch heute damit, die Jahresausstellungen der Kunsthochschulen zu recherchieren und Ihre Due-Diligence-Prozesse zu definieren.
Häufig gestellte Fragen zu Kunst als Wertanlage
Gilt das Folgerecht auch für digitale Kunst?
Das deutsche Folgerecht gilt primär für physische Werke. Bei NFTs können Smart Contracts automatische Wiederverkaufsbeteiligungen regeln, aber dies betrifft nur den Künstler, nicht den Sammler.
Kann ich als Sammler von Wertsteigerungen profitieren?
Als Sammler profitieren Sie nur beim direkten Verkauf. Das Folgerecht sichert dem Künstler einen kleinen Prozentsatz bei Wiederverkäufen über Auktionshäuser.
Was sind ‚digital twins‘ für physische Kunstwerke?
Digitale Echtheitszertifikate auf Blockchain-Basis, die die Provenienz transparent machen könnten – für den Einsteiger-Markt aber noch Zukunftsmusik.